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Irland 2006

 Geschichte

Die heutige Insel Irland wies im Mesolithikum noch eine Landbrücke zu Schottland auf; die Britische Insel selbst war noch mit dem Kontinent verbunden, somit auch Irland, das vermutlich in dieser Zeit von unbekannten Stämmen vom europäischen Festland aus besiedelt wurde. Mit dem späten Beginn der Eisenzeit (erst ca. 300 v. Chr.) kam es zu einer massiven Einwanderung von Kelten, die nahtlos die vorgefundene Kultur assimilierten, fortbestimmten und erstarkten. Gegen Ende der römischen Besatzungszeit in England und Wales führten irische Clanchefs Raubzüge sogar in Britannien durch. Die prähistorische schamanisch-keltische Kultur Irlands endete erst mit der schnellen Christianisierung im 5. Jh. durch den Heiligen Patrick (einen von irischen Räubern verschleppten Walisen). Frühkirchliche Einfriedungen und Eremitagen auf winzigen Inseln sind für die erste Zeit prägend. Es wurden die ersten Schriftzeugnisse erstellt, die die Geschichte Irlands überliefern. Es folgte eine europaweit einzigartige irische Klosterkultur, die kontinentale Missionierung und erste Hinweise auf das irische Königtum. Die folgenden drei Jahrhunderte gelten als die Blütezeit Irlands, in denen irische Bildung und Kultur in Europa führend waren und entscheidende frühmittelalterliche Impulse setzten. In Irland entstand eine eigenständige keltische Kirche. Geistiger Mittelpunkt des Landes waren Armagh in Ulster sowie die zahlreichen Klöster. Die Sammelhandschrift Book of Kells ist eines der bedeutendsten Kunstwerke des Christentums aus jener Zeit.

Politische Uneinigkeit der rivalisierenden Könige und Clans sowie vor allem zunehmende Überfälle der militärisch und wirtschaftlich überlegenen Wikinger (seit 832 Dublin) läuteten das Ende dieser Zeit ein. Die Überfälle der Wikinger wurden bald seltener, dafür begannen sie, an den Küsten permanente Siedlungen zu errichten. Diese waren die ersten eigentlichen Städte in Irland, aus denen Dublin, Wexford, Cork, Limerick, Galway und Waterford hervorgingen. In den folgenden 150 Jahren lebten Wikinger und Iren relativ friedlich nebeneinander.

Der kulturelle Untergang Irland begann 1169 mit der normannischen Invasion unter Heinrich II. (Plantagenet) von England (Urenkel Wilhelm des Eroberers). Der Führer der Anglo-Normannen, Richard Fitz Gilbert, errang dank überlegener Militärtechnik (Walisische Langbögen, Reiterei, Kettenrüstungen) sowie irischer und wikingerischer Uneinigkeit einen relativ leichten ersten Sieg, der weitere Anglo-Normannen nach Irland lockte. Nach entscheidenden Siegen im Jahr 1169 erklärte sich Henry II. 1171 zum König von Irland und verteilte Ländereien als Lehen an anglo-normannische Barone. Diese befanden sich überwiegend im Osten der Insel. Die Barone sicherten ihren Besitz durch auch heute noch weithin sichtbare Burgen, und begannen, weitere Teile Irlands in Besitz zu nehmen. Nur im Südwesten und Nordwesten behielten irische Fürsten die Kontrolle über einige entlegene Fürstentümer. Mit Ende des 13. Jahrhunderts konnten diese zusammen mit den Wikingern die anglo-normannische Schwäche, bedingt durch mangelnde Unterstützung aus England, ausnutzen. Es entstand erstmals eine einheitliche irische Bewegung, die auch einige militärische Erfolge verbuchen konnte.

Schon 1297 wurde, von England beeinflusst, das erste irische Parlament eingerichtet. Im Verlauf des 14. Jahrhunderts kam es in Irland mehrfach zu Erhebungen gegen die englische Oberhoheit. Während des Hundertjährigen Krieges konzentrierte sich England auf den französischen Kriegsschauplatz und vernachlässigte dabei die Durchsetzung seiner Herrschaft in Irland. Die darauf folgenden Rosenkriege schwächten die Bedeutung der irischen Insel in der englischen Politik noch stärker. Erst als die dynastischen Konflikte durch das Haus Tudor beigelegt wurden, widmete sich die englische Krone verstärkt dem irischen Teil seiner Machtsphäre. Das unter dem englischen König Heinrich VII. im Jahre 1494 geschaffene Poyning's Law machte die Beschlüsse des irischen Parlaments von der Zustimmung des englischen Königs abhängig. Zu dieser Zeit übte England die direkte Herrschaft faktisch nur über den Pale aus, einen Landstreifen im Osten Irlands.

Unter Heinrich VIII. wurde Irland 1541 direkt der englischen Krone unterstellt, der englische König regierte damit in Personalunion über das neu geschaffene Königreich Irland. Zudem wurden sämtliche Kirchengüter auf der irischen Insel eingezogen, was auch in England seit dem Bruch mit der römischen Kirche und der Gründung der Anglikanischen Staatskirche durchgeführt worden war. Sowohl die (gälischen) Iren als auch die meisten Siedler aus anglo-normannischer Zeit ("Anglo-Iren") verblieben aber beim katholischen Glauben. Heinrich VIII. befürchtete, dass ausländische Mächte wie Spanien das überwiegend katholische Irland gegen England ausspielen könnten. Heinrichs Nachfolger Eduard VI. begann mit einer massiven, gezielten Ansiedlung von Engländern im Gebiet außerhalb des Pale. Zu einer bis in die heutige Zeit folgenschweren Entwicklung kam es unter Elisabeths Nachfolger Jakob I.: Unter dessen Regentschaft wurde seit 1609 die "Ulster Plantation" durchgeführt. Im Zuge dieser Plantation wurden gezielt anglikanische Engländer und presbyterianische Schotten in Ulster ("Nordirland") angesiedelt. Ulster entwickelte sich dadurch zum Kern englischer und protestantischer Herrschaft in Irland. Zu Beginn des 17. Jahrhunderts kam es in Irland zu einem wirtschaftlichen Aufschwung, der ein starkes Bevölkerungswachstum zur Folge hatte. Um ihre Herrschaft über Irland zu sichern, erbauten die Engländer unter Jakob I. Forts und Zitadellen in Städten wie Cork und Kinsale. Die nordirische Stadt Derry wurde 1613 direkt der englischen Hauptstadt London übertragen, befestigt und mit Engländern besiedelt. Ihr Name wurde von den Neusiedlern in Londonderry geändert, während die Alteingesessenen - und die meisten katholischen Iren - sie bis heute als Derry bezeichnen. Im 17. Jh. verschärfte sich die Unterdrückung der katholischen Iren durch die protestantisch-englische Oberherrschaft, nachdem der abgesetzte katholische englische König Jakob II. in Irland Hilfe suchte und auf irischem Boden endgültig besiegt wurde. Katholiken wurden nun weitgehend rechtlos. 1801 wurde das Königreich Irland aufgelöst und durch den Act of Union dem Königreich Großbritannien angeschlossen, das von nun an Vereinigtes Königreich von Großbritannien und Irland hieß.

Kartoffel-Missernten lösten die "Große Hungersnot" aus, die zwischen 1846 und 1849 hunderttausende Menschenleben forderte und eine große Auswanderungswelle nach sich zog. Die Briten sahen tatenlos zu. Dadurch begann in der zweiten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts, die irische Unabhängigkeitsbewegung zu erstarken. Erste größere Proteste wurden von Daniel O'Connell organisiert, der 1828 als erster irischer Katholik ins Parlament des Vereinigten Königreichs gewählt worden war. Damit setzten leichte Besserungen der Katholiken ein (1829: Catholic Emancipation Bill). Doch erst 1914 verabschiedete das britische Unterhaus die "Home Rule Bill": Irland sollte eine eigene Verfassung und Selbstverwaltung zugestanden werden. Vorhergehende Versuche zu einer Regelung waren noch 1913 aufgrund von Protesten aus der nordirischen Region Ulster vom House of Lords abgelehnt worden. Aufgrund des Ausbruchs des Ersten Weltkriegs wurde das Gesetz aber nicht vollständig umgesetzt.

Der fehlgeschlagene Aufstand Ostern 1916 löste einige Jahre Guerillakrieg in Irland aus. Die Partei Sinn Féin, obwohl selbst nur unwesentlich am Aufstand beteiligt, wurde zum Sammelbecken der Unabhängigkeitsbewegung. Bei den britischen Unterhauswahlen von 1918 gewann Sinn Féin 80% der irischen Mandate und bildete (statt ins Londoner House of Commons einzuziehen) aus diesen Abgeordneten in Irland das First Dáil, das erste irische Parlament seit 1801. Eamon de Valera wurde zum Präsidenten der Republik Irland gewählt, und der Aufbau einer parallelen Regierungs- und Verwaltungsstruktur begann. Die britische Regierung erklärte das Dáil unverzüglich für illegal. Der folgende brutale Anglo-Irische Krieg (1919 - 1921) zwischen der IRA und Großbritannien endete 1921 mit einem Waffenstillstand und dem Anglo-Irischen Vertrag, durch welchen Südirland nunmehr als "Freistaat" den Status eines Dominion erhielt (ähnlich dem Kanadas). Den Nordiren ließ der Vertrag offen, Teil des Vereinigten Königreiches zu bleiben, was von der protestantischen Bevölkerungsmehrheit auch durchgesetzt wurde. Damit war die Abspaltung von Nordirland quasi vollzogen und die neue Grenze wurde durch eine neugeschaffenen Irish Boundary Commission festgelegt.

Von 1921 bis 1952 befand sich Südirland (das sich bis heute konsequent stets nur als "Irland" bezeichnet) in einem völkerrechtlich undefinierbaren Zustand, da die Regelungen des britischen Königs als auch der irischen Verwaltung, selbst der irischen Verfassung von 1937 (schuf ein nicht näher definiertes Präsidentenamt) dazu uneindeutig waren. De jure war Irland wohl weiterhin ein selbstverwaltetes "Dominion" Großbritanniens, de facto aber eine Republik mit eigenständiger Legislative und Exekutive, auf welche England keinen Einfluss mehr ausübte. Erst mit dem Austritt (Süd-)Irlands 1949 aus dem Commenwealth sowie dem Verzicht des britischen Königs 1952 auf den Titel "König von Großbritannien und Irland" kann vom klaren Status als eigenständige Republik ausgegangen werden.
Mit dem Karfreitagsabkommen von 1998 zwischen den Regierungen Irlands, Großbritanniens sowie den nordirischen Parteien hob Irland seinen Verfassungsanspruch auf Nordirland auf und verzichten die IRA und die wichtigsten nordirischen Milizen auf weiteren bewaffneten Kampf, so dass heute eine erfreuliche Annäherung erfolgt und eine friedliche Wiedervereinigung von Nord- und Südirland für die Zukunft nicht ausgeschlossen scheint.

 

 Dublin

Dublin liegt an der Ostküste Irlands, an der Mündung des Flusses Liffey in die Dublin Bay. Es wird von ca. ½ Mill. Menschen bewohnt, der Großraum aber von fast 2 Mill. und damit etwa 40 % aller Iren. Die Innenstadt erhält ihre Struktur durch das Kreuz aus dem Fluss Liffey mit seinen zahlreichen Brücken und der Hauptachse O'Connell Street (Hauptgeschäftsstraße) - Grafton Street (Fußgängerzone) - Harcourt Street. Hier liegen die meisten Kaufhäuser, aber auch das Trinity College und der städtische Park St. Stephen's Green, die Nationalgalerie und der Sitz der Landesregierung. Dublin ist auch Sitz eines katholischen und eines anglikanischen Erzbischofs. Seit ihrer Gründung durch die Wikinger war Dublin stets Hauptort und Residenzstadt der Fremdherrscher und heute Hauptstadt der Republik und Insel Irland. Trotzdem wirkt Dublin auch heute noch bescheiden, fast unscheinbar und schwermütig/trostlos, kaum vergleichbar mit anderen europäischen Hauptstädten - oder auch nur mit Belfast.


Liffey-Ufer (im Hintergrund das Custom House)


City Hall (1769-1779, gregorianisch) und Capel-Straße/-Brücke (3. Bild: Blick vom Rathaus auf Dublin Castle)


Die Christ Church Cathedral (anglikanisch, erbaut 12./13. Jh., stark viktorianisch restauriert/verändert) ist die älteste Kirche Irlands und heute Sitz des irischen Erzbischofs der Church of England.


Die Saint Patrick's Cathedral (anglikanisch, erbaut 13. Jh. [Turm: 14. Jh.], stark viktorianisch restauriert/verändert) wurde neben einer Quelle errichtet, in welcher der Heilige Patrick Massentaufen durchgeführt haben soll. Sie gehört heute der Church of England.


Der frühere Hinrichtungsplatz St. Stephen's Green ist seit dem 19. Jh. der kleine feine "Central Park" Dublins.


Die Grafton Street (2. Bild: Blick in Seitenstraße und auf St. Anne's Church) ist Dublins Haupteinkaufsstraße und Fußgängerzone. Da sich hier tagsüber scheinbar alle Touristen Irlands treffen, ist es oft beklemmend eng.


Government Buildings (prächtiger Kuppelbau-Komplex [1904/22] und Sitz der irischen Regierung)


O'Connell-Straße und -Brücke (die heute pulsierende Hauptgeschäfts- und Hotelstraße auf dem noch vor kurzem heruntergekommenen Nordufer des Liffey)


College Green und Pearse Street (Menschen- und Verkehrsgedränge auf dem belebtesten Platz Irlands vor dem Haupteingang des Trinity College)


Das Trinity College ist eine renommierte Universität in der irischen Hauptstadt und die Hauptattraktion Dublins. Es wurde 1592 von Königin Elisabeth I. für protestantische Studenten gegründet. Die Gebäude dienten zuvor als Augustinerkloster.
Wichtigste Sehenswürdigkeiten sind der 30 m hohe Campanile (1853, 2.-5. Bild), das Trinity Museum (1854/57, 6. Bild), das Graduates Memorial Building (1899-1902, 7. Bild) und vor allem die Library (1712/32) mit dem Long Room und der Ausstellung des Book of Kells (8 Jh.), der vielleicht wertvollsten Handschrift des christlichen Frühmittelalters, die noch vor der ersten großen Klosterblüte des karolingischen Frankenreichs entstand. Die typischen rankenhaften Ornamentierungen des vermutlich in Schottland entstandenen Buches werden in der Moderne häufig als "Keltische Kunst" interpretiert, kopiert und vermarktet.


Das Irish Parliament House (heute von der Bank of Ireland als repräsentative Filiale genutzt) diente dem Zweikammern-Parlament von Irland bis 1800 als Sitzungsgebäude. Die irische Exekutive bestand aus dem König von Irland und zwei Kammern: dem Irish House of Commons (Unterhaus) und dem Irish House of Lords (Oberhaus). Das Oberhaus wurde von Mitgliedern des Hochadels besetzt, während das Unterhaus direkt gewählt wurde. Über die Jahrhunderte hinweg traf sich das Parlament in verschiedenen Orten in und außerhalb von Dublin - die erste nachgewiesene Versammlung fand am 18. Juni 1264 in Castledermot (Grafschaft Kildare) statt. Unter den Versammlungsorten waren so berühmte Orte wie z.B. das Dublin Castle. Der letzte Versammlungsort war dieses Irish House of Parliament in College Green, wo sich das Parlament (von Anbeginn bis Ende eine Institution der i.d.R. englandhörigen Anglo-Iren, niemals der gälischen Iren) mit der Zustimmung zum Union Act selbst auflöste und damit dem britischen Königreich einverleibte.


Dame Street, die parallel zum / südlich vom Liffey verlaufende Prachtstraße zwischen College Green und Christ Church Cathedral


Dublin Castle ist Schloss und Burg von Dublin an der Dame Street inmitten der Altstadt. An der Stelle des Schlosses befand sich bereits im 10. Jahrhundert eine Festung der Wikinger (Ausgrabungen unter dem Castle: siehe letzte beiden Bilder). Sie wurde im 12. Jahrhundert von den Normannen erobert und im 13. Jh. ausgebaut. Der Turm Norman Tower (2. Bild) aus dem Jahr 1226 ist bis heute erhalten geblieben. Die gegenwärtig existierenden Gebäude entstammen vorwiegend dem 18. und dem 19. Jahrhundert. Seit der Normannenzeit bis 1922 befand sich am Schloss der Sitz der englischen Verwaltung von Irland. Die Repräsentationsräume The State Apartments aus den Jahren 1680 - 1830 werden noch heute bei den offiziellen Anlässen genutzt. Dazu gehören u. a. die Amtseinführung des Präsidenten.


Östlicher Liffey mit Blick auf den Seehafen und das Zollhaus (Custom House, 1781/91, gregorianisch)


Temple Bar ist ein kleiner Stadtteil am Südufer des Liffey im Zentrum von Dublin. Im Gegensatz zu den umgebenden Stadtvierteln hat Temple Bar sich seine mittelalterlichen Straßenzüge mit engen kopfsteingepflasterten Gassen erhalten. Temple Bar ist Dublins Kultur- und Kneipenviertel (vor allem für Touristen) mit einem munteren, überlaufenen Nachtleben.

 Leinster (Südost-Provinz)


Fährt man aus Dublin hinaus Richtung Süden, erreicht man über die Autobahn sehr schnell die Gegend um das Örtchen Enniskerry, welches vor allem für seine Hauptattraktion, die Powerscourt Gardens berühmt ist. Das Anwesen ist nach dem normannischen Ritter Eustace le Poer benannt. König Jakob I. gab das Land 1609 an Sir Richard Wingfield, den er zum Viscount Powerscourt erhob. Dieser gab die große Gartenanlage um 1730 in Auftrag, welche (seiner vizekönigähnlichen Stellung entsprechend) durchaus mit großfürstlichen Prunkanlagen des Kontinents vergleichbar war. Der Garten wurde Mitte des 19. Jahrhunderts im Auftrag des 7. Viscount erweitert. Besonders sehenswerte Teile der Anlage sind der italienische und der japanische Garten, die Freitreppe zwischen Herrenhaus und Tritonsee (1.-3. Bild), der Pepper Pot Tower (ein kleiner Turm aus dem Jahr 1911; 4. Bild) sowie das Bamberg-Gate (ein Tor aus dem Bamberger Dom). Bemerkenswert ist auch der kleine Haustierfriedhof, auf dem - teilweise schon seit 90 Jahren - Hunde, Katzen, Ponys, Pferde und Kühe begraben liegen.


Fährt man weiter südwestlich, hinein in die Wicklow Mountains, erreicht man in einem engen Tal mit 2 Seen die wildromantisch gelegene Klosterruine Glendalough. Der Heilige Kevin zog sich im 6. Jahrhundert hierhin zurück. Ähnlich dem Hl. Franziskus wurde auch er von Vögeln begleitet und wird daher in bildlichen Darstellungen oftmals mit einer Amsel gezeigt. Er wollte im Einklang mit der Natur und zurückgezogen leben, aber aus seiner Eremitage wurde rasch ein belebtes Zentrum und eine Schule des Christentums. Im 12. Jahrhundert lebten schon mehr als 3000 Menschen im Tal und bestanden sieben Kirchen. Obwohl mehrmals Wikinger und englische Truppen das Kloster überfielen und 1398 großteils zerstörten, konnte es sich noch bis zur Auflösung aller irischen Klöster im Jahr 1539 durch den englischen König Heinrich VIII. behaupten. Auffällig unter den heutigen Resten ist der 33 Meter hohe Rundturm (1.-3. Bild), welcher etwa um 1066 während der Wikingerinvasionen errichtet wurde, um die religiösen Reliquien, Bücher und Kelche zu schützen. Eine gedrungene Kapelle aus dem 11. Jahrhundert erhielt wegen des an einen Kamin erinnernden Turms die Bezeichnung St. Kevin's Kitchen (5. Bild).


Nach der Weiterfahrt südwestwärts durch die wolkenverhangenen Wicklow Mountains und fürstlicher Übernachtung in einem Bead&Breakfast-Schlösschen im Städtchen Carlow erreicht man ...


... die Jerpoint Abbey, ein Zisterzienserkloster aus der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts. Die Kirche mit ihren romanischen Elementen stammt ebenfalls aus dieser Zeit. In den Kapellen des Querschiffs sind kunstvolle Grablegen aus dem 13. bis 16. Jahrhundert zu besichtigen (6.-8.Bild). Der Turm und der Kreuzgang stammen aus dem 15. Jahrhundert, wobei letzterer mit seinen verzierten Säulen besonders sehenswert ist (3.+4. Bild).


Nördlich des Klosters findet man die hübsche Stadt Kilkenny, Hauptstadt des gleichnamigen Countys. Berühmt ist sie vor allem für Kilkenny Castle, das Stadt-Schloss (und den zugehörigen Park) der berühmten Familie Butler (die wohl einflussreichste und mächtigste [anglo-irische] Herzogs-Dynastie der irischen Geschichte; mehrfach Vizekönige von Irland [Lord-Lieutenant of Ireland oder auch Deputy King]) aus dem 12. Jh. (später viktorianisch umgestaltet/erneuert; 1. Bild), sowie die idyllischen (und heute touristenüberfüllten) Gassen mit alten Häusern, z.B. dem Rothe House, ein renoviertes Kaufmannshaus aus dem 16. Jh. im Tudor-Stil (2.+3. Bild).


Am Ende der Altstadt von Kilkenny steht auf kleinem Hügel die erhabene St. Canice's Cathedral aus dem 13. Jh., einer der größten Kirchen Irlands. Von ihrem typischen irischen Rundturm aus hat man einen herrlichen Blick in die Umgebung. Im Kircheninneren beeindrucken vor allem die Butler-Grabstätten.

 Munster (Südwest-Provinz)


Etwa 85 km westlich von Kilkenny liegt der geschichtsträchtige Berg Rock of Cashel, ein einzigartiges Monument irischer Geschichte. Im 4. Jh. eroberte der Clan der Eóghanachta, die späteren MacCarthys, den Felsen und baute ihn zum Clansitz aus. Dieser war auf Grund seiner erhöhten Lage und weiter Sicht aufs Umland von strategischer Bedeutung. Über Jahrhunderte war dieser Sitz der Könige von Munster in der Bedeutung gleichwertig mit den anderen Sitzen der Provinzherrscher einschließlich Tara. Der heilige Patrick soll den Ort zum Bischofssitz gemacht haben und im Jahr 450 n. Chr. König Aengus getauft haben. Eine Legende erzählt, dass Patrick während der Zeremonie versehentlich seinen Bischofsstab in den Fuß von Aengus gerammt hatte, was dieser für ein christliches Taufritual hielt und gleichmütig ertrug. Im frühen 10. Jahrhundert herrschte der auch als Bischof und Lehrer bezeichnete Cormac Mac Cuielleannáin über Munster. Er fiel 908 in der Schlacht von Ballaghmoon, die zwischen Leinster und Munster ausgefochten wurde. Der Felsen fiel später an den Clan der O'Brian, die Könige in Munster wurden. Brian Boru ließ sich auf dem Felsen 977 zum König von Munster krönen. Doch weitere Kämpfe folgten bis Muircheartach O'Brian im Jahr 1101 aus Anlass der ersten Synode von Irland den Felsen dem Bischof von Limerick schenkte. Cormac MacCarthaigh wurde mit dem Posten des Erzbischofs von Cashel getröstet und erbaute 1127 im romanischen Stil die kleine Kirche Cormac's Chapel (13.-15. Bild; im Tympanon auf dem 15. Bild jagt ein Kentauer mit dem Bogen Löwen). Sie ist das älteste Bauwerk auf dem Rock of Cashel. Dabei waren auch zwei Baumeister aus Regensburg beteiligt, das mit Cashel in engem kulturellen Austausch stand. Im 13. Jh. begann man mit dem Bau der großen Kathedrale (7.-12. Bild), die von einer gewaltigen Vierung beherrscht wird. Im 15. Jh. entstand an der Westseite die Bischofsburg, die in den Kirchenbau integriert wurde. Die Hall of the Vicars Choral, ein Gebäude, das im 15. Jh. für Laienbrüder errichtet wurde, ist heute der Eingang in den gesamten Komplex (3. Bild). Am Fuße des Berges außerhalb des Burgareals liegen die Ruinen der Hore Abbey aus dem 13. Jh. Hier wurden z.T. Geistliche ausgebildet, die auch nach Regensburg gingen. (An die irischen Missionare erinnert noch heute das sog. Schottenportal in Regensburg.)


Sechzehn Kilometer südlich von Cashel liegt das Städtchen Cahir, das von der sehenswerten Burg der O'Brians aus dem 12. Jh. beherrscht wird. Bis zum Jahr 1964 war die Burg im Besitz der Familie Butler. Seither gehört sie dem irischen Staat und ist heute wieder in hervorragendem Zustand.


Im äußersten Südwesten Irlands gelangt man zur Bantry Bay. In dieser romantischen Bucht liegt das Naturparadis Garinish Island, eine 15 ha große Insel, auf der sich zu Beginn des 20. Jh. ein garten- und italienbegeistertes Ehepaar sein eigenes Napoli schuf mit wunderschönen Parks, italienischen Pavillons und mediterranen Ausblicken aufs hier fast schon kitschig-idyllische Meer. Man erreicht die Insel mit einer Fähre, welche unterwegs Robbenbänke passiert (3.+4. Bild).


Der Südwesten Irlands ist bei den Touristen besonders beliebt für die durch die zerklüftete Meeres-/Halbinsel-Landschaft möglichen Aussichtsfahrten. Die ausgeschilderten Routen tragen meist eine Bezeichnung beginnend mit "Ring of ...", gefolgt vom Namen der zu befahrenen Halbinsel. Die beiden bekanntesten und hintereinander (von Süd nach Nord gesehen) folgenden Ringrouten sind der Ring of Beara (u.a. mit der einzigen Seilbahn Irlands, der Dursey Cable Car zur an der Spitze der Halbinsel liegenden Insel Dursey, sowie vielen bronzezeitlichen Steinkreisen - viele tausend Jahre alte Heiligtümer und Grablegen), ...


... und der Ring of Kerry (mit mittelalterlichen Burgruinen und Steinforts unbestimmbaren Datums).

 Connaught (Mittelwest-Provinz)


Fährt man von Munster Richtung Norden nach Connaught, passiert man an der Grenze die Industriestadt Limerick und den Shannon. Zwanzig Kilometer nördlich von Mimerick befindet sich direkt am Shannon das mittelalterliche Vorzeigeschloss Bunratty Castle, eine normannische Burg aus dem 13. Jh., im 14./15. Jh. neu errichtet. Die Burg erscheint heute in tadellos restauriertem Zustand und mit prächtiger historischer Einrichtung. Die Burg ist eingebettet in den recht ansehnlichen Bunratty Folk Park, der mit einer historischen Gebäudesammlung (z.B. einem Pub, letzte 3 Bilder) einen Eindruck vom Irland des 19. Jh. vermitteln soll.


Gut 40 km weiter nordwestlich liegen an der berüchtigt rauen Westküste Irlands die Cliffs of Moher, die hoffnungslos überlaufene, nicht mehr gar so spektakuläre (wegen vor kurzem angebrachten Absperrungen, die keinen tiefen Blick mehr erlauben), langsam zubetonierte und trotzdem noch besuchs- und sehenswerte bekannteste Steilküste Irlands. Alle hier ausgestellten Fotos wurden hinter den Absperrungen gemacht, die zum Trotz von fast allen Touristen derzeit noch ignoriert und überlaufen werden. Die Klippen sind auf der ca. 8 km langen zusammenhängenden Küstenlinie ca. 100 - 200 m hoch.


Die Cliffs of Moher sind eingebettet in die karge Landschaft des Burren, einer beeindruckenden baumlosen Steinwüsten- und Karstlandschaft. Verlässt man den Burren nach Norden, trifft man auf das Dolmengrab Poulnabrone (5000-6000 Jahre alt) und die Burgruine Dún Guairevon bei Kinvara an der Galway Bay. Und auch ein hübsches B&B-Frühstückszimmer ist ab und zu ein Erinnerungsfoto wert.


Am Ausgang der Galway Bay in den Atlantik liegen die sturmumtosten Aran Islands, eine kleine Inselgruppe, welche geologisch den Burren und die Cliffs of Moher nach Westen fortsetzten. Die Inseln sind praktisch autofrei, per Personen-Fähre oder Kleinflugzeug erreichbar und ein beliebtes Wander- und Fahrradgebiet. Am attraktivsten ist die größte der 3 Inseln, Inishmore, denn hier sind nicht nur die Klippen und Ausblicke am spektakulärsten, sondern auch die imposante spätbronzezeitliche Burg Dun Aenghus mit 3 konzentrischen Befestigungswällen zu besichtigen.
(Bild 1: Hafeneinfahrt von Inishmore; Bild 2: Bucht von Inishmore; Bild 3-4: Radltour nach Dun Aenghus [oben an den Klippen erkennbar]; Bild 5-7: Zugang zur Burg; Bild 8-10 Inneres der Burg und Blick von den Klippen; Bild 11: Klosterruine "/ Kirchen")


Nördlich der Galyway Bay liegt die Seenlandschaft Connemara mit großflächigen Heide- und Moorgebieten.


Gut 30 km nordöstlich von Connemara trifft man an der Clew Bay mit Westport auf die vielleicht reizvollste vom Großtourismus bisher verschonte Stadt Irlands. Die Stadt wird durchzogen von einem hübsch eingefassten Fluss und reizvollen Straßen und Plätzen. Standesgemäß übernachten kann man im zentralgelegenen und gar nicht sooo teuren Olde Railway Hotel, einer ehemaligen Poststation von 1780.


In Westport sowie auf einer Fahrt entlang der Clew Bay und durch Achill Island (der größten Nebeninsel Irlands) werden diejenigen Reisenden, die vor allem auf der Suche nach Ruhe, Einsamkeit und Beschaulichkeit nach Irland gekommen sind, endlich ein bisschen von dem finden, wonach sie gesucht haben. Auch wenn der Nordwesten Irlands nicht mehr ganz so beschaulich ist wie vor 10 oder 20 Jahren, so laufen die Schafe hier noch dort, wo sie hingehören: auf der Straße (das früher typische, heute seltene Irlandbild)! ;) Und hier wird auch in großem Maße und allerorts erkennbar Torf (maschinell) "gestochen" und aufgehäuft - das so ungebrochen beliebte Brennmaterial für den irischen offenen Wohnzimmerkamin.


Ein Schullehrer entdeckte beim Torfstechen 1930 die kleine archäologische Sensation der Céide Fields (sprich: Kädsche Fields), heute die größte steinzeitliche Ausgrabungsstätte der Welt. Vor über 5000 Jahren bestand hier auf 10 km² ein Dorf, dessen Einwohner auf durch gerade Mauern von einander abgetrennten Einzelgehöften lebten. Bei sachkundiger Führung (welche ständig angeboten wird) erkennt der Besucher mit Hilfe des Fachmanns die eingefallenen Mauern (Verläufe sind durch weiße Pflöcke gekennzeichnet) der Grundstücksgrenzen (3.+4. Bild). Auch die Reste eines Rundhauses (5. Bild; im Hintergrund Spitze der Pyramide des modernen Besucherzentrums) mit Feuerstelle wurden schon entdeckt. Die Céide Fields befinden sich rund 100 km nordnordöstlich von Westport an der steilklippigen Nordküste Irlands. Die Freilegung des ganzen Areals wird noch Jahrzehnte in Anspruch nehmen.


Rund 100 km östlich der Céide Fields liegt an der Sligo Bay der kleine Ort Drumcliff, bekannt vor allem durch seinen alten Friedhof mit keltischem Hochkreuz (um 1000); und dem Grab des irischen Dichters William Butler Yeats (1865-1939). Yeats Großvater war lange Zeit in Drumcliff Dorfpfarrer.

 Ulster (Nord-Provinz)


Der Grianan of Aileach am Lough Swilly, vor den Toren von Londonderry, ist für Ulster das Gleiche, was der Rock of Cashel für Munster ist: ein erhabener Königssitz in strategisch günstiger Lage mit beeindruckendem Rundumblick. Die Ruinen eines Steinforts künden von den Königen von Aileach und waren ein bedeutender Herrschersitz von ca. 800 v.Chr. bis 1200 n.Chr. Eine Legende besagt, dass im Jahre 450 St. Patrick hier den Begründer der O'Neill-Dynastie, Owen, getauft haben soll. Bis zum 12. Jahrhundert (um 1177) hatte das Königreich Aileach einen großen Teil seiner Ländereien an die einfallenden Normannen verloren, womit auch das Steinfort nach und nach immer mehr an Bedeutung verlor und schließlich von der Armee unter Murtagh O'Brien (König von Munster) zerstört wurde. Heute kann man von dem Fort noch die konzentrischen Hauptwälle, die einen Durchmesser von 23 Meter haben, besichtigen. Andere Teile des Forts waren einst zerstört, wurden aber im 19. Jahrhundert (um 1870) authentisch restauriert.


Die Großstadt Londonderry (seit 1618 offizieller Name und hauptsächlich von den Protestanten/Anglo-Iren verwendet) oder auch Derry (alter irischer Städtename, heute von den Katholiken/Gälisch-Iren benutzt) im britischen Nordirland ist in Europa vor allem seit dem Bloody Sunday von 1972 bekannt, als britische Fallschirmjäger ein (bis heute nicht restlos aufgeklärtes) Massaker unter unbewaffnet protestierenden katholischen Jugendlichen anrichteten (Platz/Mahnmal/politische Wandmalereien: Bild 7-9 + letztes Bild). Als Grenzstadt zwischen der Republik Irland und Großbritannien steht sie bis heute im Fokus des Nordirlandkonfliks. Die Stadt geht auf eine Klostergründung durch den Heiligen Kolumban im 6. Jh. zurück. Sehenswert ist die teils noch mittelalterliche/frühneuzeitliche Altstadt von Derry mit der 1,5 km langen und bis zu 8 m hohen, begehbaren Stadtmauer aus dem 17. Jahrhundert (2.-6. Bild), die nahezu im Originalzustand (bis auf 3 später ergänzte Tore) erhalten ist und damit als besterhaltene in Großbritannien und Irland gilt.


Gut 30 km östlich von Londonderry liegt auf hohem Basaltfelsen Dunluce Castle, eine malerische Burgruine mit Grotte, nur wenige Kilometer entfernt vom ...


... Naturwunder Giant's Causeway ("Fußweg des Riesen"), das die UNESCO dem Weltnaturerbe zurechnet. Es besteht aus etwa 40.000 gleichmäßig geformten Basaltsäulen, die ein Alter von etwa 60 Millionen Jahren aufweisen. Die meisten der Säulen sind sechseckig, einige haben jedoch vier, fünf, sieben oder acht Ecken. Die größten der Steinbrocken sind bis zu 12 Metern hoch und das Gestein ist an manchen Stellen bis 25 Meter dick. Der Giant's Causeway führt etwa fünf Kilometer entlang der Klippen im Meer. Nach einer irischen Legende soll der Damm vom Riesen Finn MacCumhaill erschaffen worden sein, der die Steine aufgetürmt hat, um trockenen Fußes zum (45 km entfernten) Schottland marschieren zu können, wo er die Tochter des dort ansässigen Riesen ehelichen wollte. Wissenschaftlich wird die Entstehung des Basaltdammes als natürliches Abkühlungsphänomen von heißem Magma betrachtet. Basalt erstarrt zu Säulen, wenn der Abkühlungsprozess sehr langsam voranschreitet, wobei die Säulen immer senkrecht zur Abkühlungsfläche stehen. Daraus ist zu schließen, dass die Magmazufuhr, die einen mittlerweile durch Erosion abgetragenen Vulkan gespeist hat, in der Erde zum Erliegen gekommen und zu den bekannten Säulen erstarrt ist.


Dreißig Kilometer weiter ostsüdöstlich hat man mit der schwerzugänglichen, wunderschönen Murlough Bay den äußersten Nordosten Irlands erreicht und kann über die Meeresenge North Channel auf das nur 22 km entfernte schottische Kap Mull of Kintyre (1. Bild) schauen.


Nördlich vor den Toren von Belfast liegt am Belfast Lough (im Schatten der nordirischen Metropole und vom Massentourismus übersehen) eines der malerischsten und interessantesten Städtchen Irlands: Carrickfergus. Hier beeindruckt vor allem am idyllischen Hafen die normannische Burg aus dem 12. Jh., die mit ihrer ins Meer hinausragenden Lage unwillkürlich an die Kreuzritterburg Akko im Heiligen Land erinnert und zu den schönsten mittelalterlichen Burgen Europas gezählt werden darf. Auch Reste der mittelalterlichen Stadtbefestigung (wahrscheinlich ursprünglich ein stark befestigtes großes Lager vor dem Burgeingang) sind erhalten und laden zum Erkunden ein.

Elf Kilometer südwestlich trifft man auf die hochmoderne, pulsierende Industriemetropole Belfast, gegen welche das verschlafene Dublin wie eine Provinzhauptstadt wirkt.


Die geschäftige, auffällig wohlhabend wirkende Innenstadt von Belfast liegt in einer Biegung des Lagan an seinem Westufer. Nichts hier erinnert an die hochdramatische, blutige jüngste Vergangenheit der Stadt.
[Bilder von links nach rechts: Albert Memorial Clocktower (1869, "Big Ben of Belfast"; 2 Bilder); Blick von der Queen Elizabeth II Bridge auf Lagan River, Custom House (1857) und Royal Mail Post Office; Zentrum mit (zahllosen) Shopping Malls; City Hall (1898/1906, Neorenaissance, 7 Bilder); St. Anne's Cathedral]


Ganz anders sieht das im weiter westlich gelegenen Wohnviertel West Belfast um die berüchtigten Straßen Shankill Road (britisch-protestantisch; 1.-7. Bild) und Falls Road (irisch-katholisch; 10.+11. Bild) aus. Obwohl seit dem Good Friday Agreement von 1998 die Lage als ruhig und sicher gilt, zeugen die Stadtbilder von noch nicht völlig geglätteten Wogen jüngster Gewalt zwischen beiden Bevölkerungsteilen, die man in den schlimmsten Tagen nur mit Hilfe einer heute Peace Line genannten Mauer (ähnlich wie zwischen den früheren beiden Teilen Berlins; 8.+9. Bild) incl. bewachter und nachts geschlossener Stahltore einzudämmen wusste. Bei den politischen Wandgemälden und Beflaggungen fällt ins Auge, dass diejenigen der britisch-protestantischen Seite die irisch-katholische Symbolik an Aggressivität deutlich übertreffen.

 Leinster und Dublin


Fährt man von Belfast 90 km nach Süden über die heute nicht mehr sichtbare Grenze zwischen Irland und Großbritannien, erreicht man 50 km vor Dublin die wundervolle bronzezeitliche Hügelgrablandschaft von Newgrange (2.-5. Bild), Knowth (restliche Bilder) und Dowth (da hier im Gegensatz zu den ersten beiden Anlagen wenig zu sehen ist, wird es kaum von Touristen besucht).
Die Anlage von Newgrange wurde ca. 3150 v. Chr. erbaut. Sie ist eine der weltweit bedeutendsten Megalithanlagen und eine der ältesten, die Kalenderbauten darstellen und auf den Verlauf des Sonnenjahres referieren. 1993 wurde sie zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt. Die Anlage mit einem Durchmesser von gut 70 m wurde von Archäologen der Universität Cork in den Jahren 1962-1975 teilrekonstruiert. Der aufgeschüttete Hügel besteht überwiegend aus Stein und Grassoden, von einem fixierenden Steinring begrenzt, der nach Meinung der Wissenschaftler ursprünglich eine drei Meter hohe Mauer aus Granit und an der Zugangseite aus weißem Quarzit trug. Er wurde nach der Ausgrabung entsprechend nachgebildet. Ein ca. 22 m langer Gang unter dem Hügel endet in einer kreuzförmigen Grabkammer. Sie hat ein ca. 7 m hohes Kraggewölbe und ist nach über 5000 Jahren immer noch wasserdicht. In einer der 3 Nischen der Kammer fand sich ein großer verzierter Altarblock (wie auch in Knowth) mit einer seichten Mulde. Auf ihm fanden sich verbrannte menschliche Knochen. An etwa 13 Tagen jeden Jahres dringt durch eine Öffnung über dem Eingang um die Wintersonnenwende bei Sonnenaufgang ein Lichtstrahl für ca. 15 min in den Gang und die Kammer.
Die Anlage von Knowth ist vermutlich älter als Newgrange und besteht aus einer Vielzahl kleinerer halbkugelförmiger Hügel. Der Haupthügel enthält ein Grab mit Knickkammer und eines mit Kreuzkammer, deren Kammerdecke aus einem falschen Gewölbe besteht. Acht Satellitenanlagen haben eine Knick-, sechs eine Kreuzkammer. Knowth hat extrem viele dekorierte (mit abstrakten geometrischen Mustern unbekannter Bedeutung) Wandsteine in den Gängen und Kammern des Haupthügels, aber auch in einigen Satellitenanlagen.


Nur wenige Kilometer nordöstlich von Newgrange befindet sich die Klosterruine Monasterboice (6. Jh.) mit ihren berühmten keltischen Hochkreuzen aus dem 9. Jh. Das bekannteste ist das Kreuz von Muiredach (2.-4. Bild) mit einer Höhe von 5,1 m. Seine Ornamente und Szenen sind bestens erhalten. Die der Ostseite zeigen (von unten nach oben): Adam, Eva, Kain und Abel; David und Goliath; Moses beim Wasser-aus-dem-Fels-Schlagen; die Anbetung der Könige; Christus Pankreator. Das Große Kreuz oder Westkreuz (letztes Bild) ist mit 6,5 m Höhe das größte in Irland.


Gut 30 km südlicher liegt vor den Toren Dublins das Örtchen Lusk - als solches nichtssagend, aber mit einem äußerst sehenswerten, einzigartigen baulichen Ensemble aus einem ungewöhnlichen vierfachen Rundturm aus dem 9. Jh. (Überbleibsel einer Klosterbefestigung) und einer dort 1000 Jahre später angebauten Kirche.


Die Howth Peninsular gehört schon zum Stadtgebiet von Dublin und ragt 15 km ostnordöstlich vom Stadtzentrum weit hinaus in die Irish Sea. Sie ist ein (besonders bei Anglern und Badegästen) beliebter Naherholungsort der Dubliner. Wie an der gesamten irischen Küstenlinie treten hier starke Gezeiteneffekte auf und machen eine Wattwanderung möglich.


Hat man vor der Abreise aus Irland in Dublin noch ein paar freie Stunden zur Verfügung, lohnen für Kunst- und Geschichtsinteressierte ein Besuch im Nationalmuseum (1. Bild: St.-Patrick-Glocke und zugehöriger Reliquienbehälter aus dem 12. Jh.; 2. Bild: Goldspiralgürtel) und für U2-Fans ein Gang durch Bonos 5-Sterne-Nobelherberge Clarence Hotel (recht enttäuschend, da fehlende Lobby und kein U2-Fanshop).


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