Andalusien 2008

Einleitung

Andalusien ist die spanische Provinz, die die gesamte, sehr bergige Südküste Iberiens umfasst. Es grenzt im Norden an Kastilien-La Mancha und an die Extremadura. Die Hauptstadt Andalusiens ist Sevilla. Die bedeutendsten Naturräume Andalusiens sind die südliche Abdachung der Sierra Morena, das Becken des Guadalquivir und die Betische Kordillere, zu der die Sierra Nevada gehört. Der Campo de Gibraltar, mit dem Felsen von Gibraltar bildet den südlichsten Teil des europäischen Festlandes. Bei Tarifa, der südlichsten Stadt, liegen Europa und Afrika nur 14 km voneinander entfernt, getrennt durch die Straße von Gibraltar. Besonders berühmt ist die Region durch ihre maurisch beeinflusste Musik und den zugehörigen Nationaltanz, den Flamenco.

Zu Zeiten der römischen Herrschaft überwinterten die Soldaten mit Vorliebe in diesem wärmsten Teil der Iberischen Halbinsel. In der fruchtbaren Ebene des Guadalquivir wurden schließlich zahlreiche römische Niederlassungen gegründet, aus denen sich später große Städte nach römischem Vorbild entwickelten. So wurde Andalusien zu einer urbanen Region, und viele Bewohner dieses Landstriches erhielten die römische Staatsbürgerschaft. Außerdem richteten die Römer Schifffahrtswege über Flüsse und Meereshäfen ein und bauten Landstraßen, um Gemüse und Obst von hier nach Italien und in andere Provinzen zu bringen. Auch das Christentum fasste hier im 4. Jahrhundert Fuß. In der Spätantike fielen zu Beginn des 5. Jahrhunderts Vandalen und andere germanische Stämme in Hispanien ein. Nach der Mitte des 5. Jahrhunderts eroberten die Westgoten Hispanien und begründeten ein eigenes Reich mit der Hauptstadt Toledo. Im 6. Jahrhundert wurden Teile Andalusiens von den Oströmern besetzt, die sich jedoch zu Beginn des 7. Jahrhunderts zurückziehen mussten. 711 überschritten die Mauren die Meerenge und eroberten binnen weniger Jahre den Großteil des Westgotenreichs. Andalusien stand von allen spanischen Regionen am längsten unter islamischer Herrschaft. Ihre Blüte erreichte diese unter dem Emirat von Córdoba, dem Kalifat von Córdoba sowie den Nasriden in Granada. Die Einflüsse der Muslime sind auch heute noch vor allem in der Architektur zu sehen: die Alhambra in Granada, die Mezquita von Córdoba, die Giralda in Sevilla. Die Herrschaft der Mauren in Spanien wurde durch die Reconquista 1492 in Granada beendet unter den Katholischen Königen Isabella I. von Kastilien und Ferdinand II. von Aragon.

Bilder

 Anflug

Über den modernen Flughafen von Madrid geht es nach Süden über die Olivenfelder und Berge Andalusiens nach Granada.

 Granada

Granada ist die Hauptstadt der gleichnamigen Provinz in Südspanien und liegt am Fuß der Sierra Nevada. Die Stadt zählt ca. 241.000 Einwohner, von denen die meisten in der Verarbeitung landwirtschaftlicher Produkte oder im Tourismus arbeiten. Granada wurde unter dem Namen Iliberra als eine von Phöniziern und Iberern bewohnte Siedlung erstmals um 500 v.Chr. erwähnt. Aufgrund der geschützten Lage zwischen den umliegenden Bergen sowie der außergewöhnlich fruchtbaren Erde ist eine frühere Besiedlung anzunehmen. Nach der Eroberung der iberischen Halbinsel durch die Römer ist die Siedlung mit dem Namen Iliberis belegt. Nach dem Zerfall des römischen Kaiserreichs kam das Gebiet zunächst unter den Einfluss des nordafrikanischen Reichs der Vandalen, stand nach dessen Zusammenbruch 534 für einige Jahrzehnte unter oströmischer Herrschaft und gehörte dann seit Beginn des 7. Jahrhunderts zum iberischen Reich der Westgoten. Im Jahr 711 wurde die Stadt von den Mauren erobert und der Name zu Ilbira arabisiert. Nach dem Untergang des Kalifats von Córdoba ergriff 1012 der berberische Clanchef Zawi ibn Ziri die Macht in der Provinz und machte das leicht zu verteidigende Granada zum Sitz der Dynastie der Ziriden, die von hier aus etwa 80 Jahre lang über eines der bedeutendsten Kleinkönigreiche des südlichen Al-Andalus herrschte, bis sie von den Almoraviden gestürzt wurde. Nach der Vertreibung der Almohaden wurde die Stadt von 1238 bis 1492 Hauptstadt des Sultanats der Nasriden. Am 2. Januar 1492 kapitulierte der letzte nasridische Herrscher Muhammad XII. und übergab die Stadt den Katholischen Königen. Damit war die Reconquista der iberischen Halbinsel für das Christentum, abgeschlossen. Gemäß einem Passus des dabei abgeschlossenen Vertrages wurde die maurische Bevölkerung durch das katholische Heer zur Küste begleitet und setzte von dort nach Nordafrika über, in das Gebiet des heutigen Marokko.


Die Alhambra ("rote Burg") ist eine bedeutende Stadtburg auf dem Hügel vor Granada, die als eines der schönsten Beispiele des maurischen Stils der Islamischen Kunst gilt. Der Gebäudekomplex innerhalb der Festungsmauer besteht aus der mittelalterlichen Zitadelle (die Alcazaba), dem maurischen Nasridenpalast, dem Renaissance-Palast Karls V. sowie diverse weitere Gebäude (wie z. B. eine Kirche, ein Kloster und ein Hotel) und auf dem Nachbarhügel (aber eingebunden durch die Mauer in die Gesamtanlage) die Gartenanlage Generalife.

Aufgang zur Alhambra

Zitadelle und Blick auf die Stadt

Palast Karl V.

Nasridenpalast

Generalife


Die Kathedrale von Granada beherbergt als größte Kostbarkeit die Capilla Real, einem großartigen Kapellenanbau an der Kathedrale, in dem die sterblichen Überreste der Katholischen Könige sowie ihrer Tochter Johanna von Kastilien ("die Wahnsinnige") und deren Gatten Philipp von Habsburg ("der Schöne"), die Eltern Karl des V., ruhen. Der Kirchenbau, entstanden zwischen 1518 und dem 18. Jahrhundert, besitzt hohen künstlerischen Rang, weil hier Stilelemente aus Gotik, Renaissance und Barock zusammenfließen. Zudem beherbergt das angeschlossene Sakristei-Museum eine Reihe hochwertiger Tafelbilder, darunter Arbeiten der Renaissance-Meister Botticelli und Perugino sowie der Altniederländer Dierik Bouts, Roger van der Weyden und Hans Memling.

in der Kathedrale

in der Capilla Real


Auf den Straßen Granadas genießt man immer wieder wundervolle Blicke auf Stadtmauer/-tore, die Alhambra oder die typischen in den Fels getriebene Wohnhöhlen, in den auch Flamenco-Restaurants betrieben werden.

 Cordoba

So überraschend und großartig sich Cordoba seinem heutigen Besucher präsentiert, so überraschend und großartig ist seine Vergangenheit. Nur wenige wissen, daß Cordoba im 11. Jahrhundert eine der größten Hauptstädte Europas war. Menschen verschiedenster Kulturen und Religionen - Juden, Moslems und Christen - lebten hier in Eintracht, und bedeutende Philosophen, Wissenschaftler und Künstler gingen aus dieser Stadt hervor. Córdoba geht auf eine alte iberische Siedlung zurück. Sie wurde 169 v. Chr. von den Römern besetzt und entwickelte sich als Corduba zum Hauptort Südspaniens. Im 3. oder 4. Jahrhundert wurde Corduba Bischofssitz. Einer der ersten Bischöfe soll Ossius (Hosius) gewesen sein, der als Berater Konstantins des Großen u. a. maßgeblich das Konzil von Nicäa beeinflusste. Nach der Zerstörung durch die Vandalen blieb Córdoba Teil des Westgotenreiches. Von 554 bis 571 gehörte es zum Byzantinischen Reich. Nach der Rückeroberung durch die Westgoten 572 verlor es an Bedeutung und verfiel zusehends. 711 wurde die Stadt von den Arabern eingenommen und war bereits ab 716 die Hauptstadt des islamischen Emirats in Al-Andalus. Im 10. Jahrhundert wurde in Córdoba das umayyadische Kalifat von Córdoba errichtet. In dieser Zeit lebten ungefähr eine halbe Million Menschen in Córdoba, das damals eine der größten Städte der bekannten Welt war. Nach dem Untergang des Kalifats errang in der Zeit der Taifa-Königreiche zunächst die maurische Dynastie der Djahwaniden die Herrschaft, die 1069 von den Abbadiden aus Sevilla abgelöst wurden. Nach deren Sturz 1091 gehörte die Stadt zum Herrschaftsbereich der Berberdynastien der Almoraviden und dann der Almohaden. Im Jahre 1236 wurde Córdoba im Rahmen der Reconquista von den christlichen Truppen für Kastilien erobert.


Die "Mezquita" ist ein weltweit einzigartiges Bauwerk, beherbergt es doch gleichzeitig die größte Moschee Europas und eine Kathedrale. Diese beeindruckende Moschee aus dem 8. Jahrhundert mit einer Ausdehnung von 23.000 Quadratmetern, die drittgrößte Moschee der Welt, umgeben von gewaltigen Mauern, gilt als das schönste und originellste Bauwerk ganz Spaniens. Die Moschee von Cordoba begründete den Kalifal-Stil, der römische, gotische, byzantinische, syrische und persische Elemente einband und die Wurzel aller spanisch-muslimischen Architektur der nächsten Jahrhunderte war, bis zum Mudejar-Stil jener Muselmanen, die im von den Christen zurückeroberten Spanien lebten. Kalif Abderramán I. begann den Bau der Moschee mit einer gigantischen Halle, bestehend aus 11 Schiffen mit insgesamt 110 Säulen aus Marmor und Granit. Die Kapitelle stammen von abgerissenen römischen und byzantinischen Bauwerken. Darüber befindet sich eine zweite Reihe von Bögen, damals eine architektonische Neuheit, und schafft ein einzigartiges Spiel von Licht und Schatten. 833 vergrößerte Abderramán II. das Bauwerk und fügte 8 weitere Bögen hinzu, deren weiße Marmorsäulen aus dem römischen Amphitheater von Mérida stammen. Alhakem II baute 961 den Mihrab, das Minarett, mit überschwenglicher Verzierung aus Marmor und die Kliba mit ihrer Kuppel aus verschlungenen Bögen. Beide zählen zu den bedeutendsten architektonischen Kunstwerken. Den letzten und größten Ausbau führte 987 Kalif Alamanzor durch. Das Bauwerk wurde auf das doppelte seiner ursprünglichen Ausdehnung erweitert; besonders erwähnenswert sind die Säulen aus blauem Marmor mit zusammengesetzten Kapitellen sowie die Säulen aus dunkelrotem Marmor mit korinthischen Kapitellen.
1236, im gleichen Jahr, in dem Ferdinand III. von Kastilien Córdoba von den Mauren zurückeroberte, wurde die Moschee, erbaut auf den Grundmauern einer Kirche, wieder Christus geweiht. Alfons X. beauftragte die Konstruktion der Villaviciosa-Kapelle sowie der königlichen Kapelle. Auch die auf ihn folgenden Könige ergänzten die Kirche. Die einschneidendste Veränderung kam mit Billigung des Habsburger Kaisers Karl V. zustande. Hierbei wurden im mittleren Teil die Säulen entfernt, um Platz für ein Kirchengebäude im plateresken Stil zu schaffen. Weitere geplante Veränderungen des Säulenwaldes kamen wegen Geldmangels zum Glück nicht zustande, so dass heute der bauliche Eindruck von der Säulenharmonie der Moschee bestimmt wird und nur im Zentrum das Kuriosum einer Kirche innerhalb der Moschee besticht.

Die Puerta del Puente (Brückentor) war ursprünglich Teil der arabischen Befestigungsmauer und wurde später im Renaissance-Stil umgebaut. Sie führt südsüdöstlich zur Puente Romano, einer römische Brücke mit 16 Bögen über den Guadalquivir, einst Bestandteil der Via Augusta. Im 10. Jahrhundert wurde das Bauwerk von den maurischen Kalifen vollständig erneuert und nach der Reconquista noch mehrfach renoviert.

Von der anderen Flussseite ergeben sich wundervolle Blicke auf die Altstadt von Cordoba.

Am nordnordwestlichen Teil der Via Augusta liegt dieses überaus prachtvolle römische Grabmal.

In der Altstadt am Judenviertel ist noch die alte maurische Stadtmauer gut erhalten und steht an schönem Platze eine Denkmal des berühmtesten Sohnes der Stadt, des römischen Rhetorikers und Schriftstellers Lucius Annaeus Seneca, auch Seneca der Ältere oder Seneca der Rhetor genannt (* ca. 54 v. Chr. in Córdoba; † ca. 39 n. Chr.), Vater des später noch berühmteren (und vermutlich auch in Cordoba geborenen) Seneca dem Jüngeren.

Der Alcázar de los Reyes Cristianos (spanisch für „Palast der christlichen Könige“), gebaut ab 1328 unter Alfonso XI. an Stelle eines älteren arabischen Schlosses, diente den Katholischen Königen bis zur Rückeroberung Granadas als Residenz. Im Inneren des Palastes befinden sich sehr schöne arabische Bäder sowie römische Mosaike und ein Marmorsarkophag aus dem 3. Jahrhundert. Ursprünglich befanden sich Türme an den vier Ecken des Gebäudes, von denen drei noch erhalten sind: der älteste, Torre de Los Leones, zugleich der Eingang des Alcázars, der achteckige Torre del Homenaje und der runde Torre del Rio.

 Carmona

Carmona ist eine unbedeutende Kleinstadt in Südwestspanien, 43 km nordöstlich von Sevilla, und doch berühmt für ihre karthagische Vorgeschichte und vor allem für ihre prachtvolle römische Nekropole, die der Mittel- und insbesondere der Oberschicht vorbehalten gewesen sein dürfte. Sie beinhaltet viele in den Fels geschlagene Grabkammern mit Nischen für Urnen und gelegentlich Räumen, die steinerne Sitze (Triclinia) besitzen. Die Nutzung der Nekropole wird etwa auf das 1. und 2. Jahrhundert n. Chr. datiert. Zu jener Zeit war die häufigste Bestattungsform die Einäscherung. In einer in den Felsen geschlagenen Höhle wurden die Toten von speziellen Totengräbern auf Scheiterhaufen verbrannt. Gelegentlich dienten diese Verbrennungsstätten auch als Grab, in das die Urne gestellt und anschließend mit Quadersteinen, Ziegelsteinen oder einer Steinplatte verschlossen wurde. Das Grab wurde mit Erde bedeckt und ein Grabstein gab über den Namen und Todesort des Verstorbenen Auskunft. Ein besonders hervorzuhebendes Mausoleum, das Servilia-Grab (Tumba de Servilia), unterscheidet sich allein schon durch seine fußballfeldgroßen Ausmaße von allen übrigen Grabanlagen. Es wurde im hellenistischen Stil angelegt. Um einen in den Fels geschlagenen, säulenumstandenen Innenhof, der von einer Galerie überdacht war, zweigen zweigeschossig verschiedene luxuriös gestaltete, bemalte Räume ab. An der Stirnseite des Säuleninnenhofs befindet sich die überdachte Grabkammer mit großer trapezoider Vorhalle und spitz zulaufender Kuppel, in der allem Anschein nach ursprünglich die Skulptur von Servilia stand, der wohl die reichste und mächtigste Familie von Regierungsbeamten Carmonas in augusteischer Zeit repräsentierte.

 Sevilla

Sevilla ist die Hauptstadt der Autonomen Region Andalusien und der Provinz Sevilla. Nach einer späten Legende wurde die Stadt von dem griechischen Helden Herakles gegründet - wahrscheinlicher ist eine Gründung durch die Phöniker. So war Sevilla bereits vor der Ankunft der Römer ein wichtiges Handelszentrum und hieß im Altertum Hispalis; Gaius Iulius Caesar erhob die Stadt 45 v. Chr. zur colonia. Hispalis war eine der bedeutendsten Siedlungen in der Provinz Baetica und wurde mehrfach von Kaisern besucht; doch 428 wurde die Stadt von den durchziehenden Vandalen geplündert. Als während der Spätantike die Westgoten den größten Teil von Spanien beherrschten, spielte Hispalis/Sevilla eine wichtige Rolle als Bischofssitz; in Sevilla wurden 590 und 619 zwei Konzile (concilia Hispalensia) gehalten. Mauren eroberten die Stadt 712, ein Jahr nach der entscheidenden Niederlage der Westgoten, und machten sie zur Hauptstadt einer Provinz Išbīliya, woraus sich der Name Sevilla ableitet. Schon 1248, zweieinhalb Jahrhunderte vor Granada, wurde Sevilla nach mehrmonatiger Belagerung von Ferdinand III. von Kastilien erobert und blieb seitdem im Besitz der Christen. Internationale wirtschaftliche Bedeutung erhielt die Stadt im 16. und 17. Jahrhundert, als sie Hauptumschlagplatz des spanischen Seehandels und Ziel der Gold- und Silberanlieferungen aus den Kolonien war. Amerigo Vespucci und Ferdinand Magellan planten und starteten hier ihre Entdeckungsreisen.


Innenstadt mit Rathaus (2. und letztes Bild) und Fronleichnamsprozession

Die Zigarrenfabrik von Sevilla machte Georges Bizet mit dem 1. Akt seiner Oper Carmen weltberühmt.


Die Kathedrale Santa María de la Sede ist die größte gotische Kirche der Welt und zugleich die viertgrößte Kirche der Welt. Sie wurde 1401–1519 erbaut und gehört seit 1987 zum Weltkulturerbe der UNESCO. Sie wurde in den Jahren 1401 bis 1519 im Stil auf den Überresten der im 12. Jahrhundert errichteten arabischen Hauptmoschee gebaut. Ihre Länge beträgt 115 m, ihre Breite 76 m. Die Höhe des mittleren Kirchenschiffes beträgt 42 m, insgesamt besitzt die Kathedrale fünf Kirchenschiffe.
Besonders auffällig und daher Wahrzeichen der Stadt ist Giralda - das ehemalige Minarett der alten maurischen Moschee (auf römischem Sockel) und heute Glockenturm der Kathedrale. Zur Zeit seiner Konstruktion war es eines der höchsten Bauwerke der Welt (nur von den zwei größten der drei Pyramiden in Gizeh übertroffen. Dieser Turm kann bis zur Höhe des Glockenstuhles zu Pferde bestiegen werden. Statt Treppen legten die Baumeister Rampen an, deren Deckenhöhe einen Aufstieg zu Pferd ermöglichen. Einschließlich der in christlicher Zeit durchgeführten Erweiterungen, mit einer gigantischen Bronze-Statue auf der Spitze, misst die Giralda 97,5 Meter.

Das Innere der Kirche bietet einen umwerfenden Raumeindruck und wundervolle Fenster und Altäre.

Unter den vielen kunstvollen Grabmälern ragen jene für Christoph Kolumbus (1912; leer - Verbleib der Gebeine unklar; die vier Sargträger verkörpern die Königreiche Kastilien, León, Aragón und Navarra) und für Erzbischof Mendoza (um 1500) hervor.

Das wunderschöne guterhaltene frühmittelalterliche westgotische Taufbecken ist eine besondere Kostbarkeit der Innenausstattung.

Die Capilla Mayor birgt mit dem Retablo, einem Hauptwerk der spanischen Holzschnitzgotik, das größte Altarretabel der Welt. Es entstand unter mehreren Meistern zwischen 1482 und 1564 und misst 23 (Höhe) mal 20 (Breite) Meter. Unten thront mittig das in Silber getriebene Bild der Virgen de la Sede, darüber breiten sich 45 prachtvolle und detailreiche Relieffelder mit holzgeschnitzten Szenen aus dem Leben Jesu Christi und Mariä aus.

Sehenswert ist auch das meisterhafte gotische Chorgestühl.

Mehrmals im Jahr (z.B. zu Fronleichnam) kann man im Dom einem Gottesdienst mit dem König beiwohnen.


Der Alcázar von Sevilla ist der mittelalterliche Königspalast von Sevilla. Ursprünglich als maurisches Fort angelegt, wurde der Alcázar später mehrfach zum Palast erweitert. Der Großteil der modernen Anlagen wurde ab 1364 auf den maurischen Ruinen für Peter I. von Kastilien gebaut. Der Palast ist eines der am besten erhaltenen Beispiele für die Mudéjar-Architektur, die unter christlicher Herrschaft entstandenen Bauten mit islamischem Einfluss. Spätere Monarchen erweiterten den Alcázar, wodurch noch weitere Baustile Eingang in den Komplex fanden. So entstanden z.B. unter den Katholischen Königen, Karl V. und Philipp II. Bauten mit gotischen Elementen, die in starkem Kontrast zu den dominierenden Mudéjar-Architektur stehen.

Der zauberhafte maurische Palastteil mit seinen pittoresken Innenhöfen und der goldenen Kuppel des Thronsaales wirkt wie aus den Geschichten aus Tausendundeiner Nacht und ist der vielleicht schönste maurische Palast Europas.

gotischer Palastteil Karls V.

Garten Karls V.


Die Plaza de España ist einer der bekanntesten Plätze der Stadt. Als Sevilla 1929 die Iberoamerikanische Ausstellung veranstaltete, wurden ab 1924 viele Gebäude für die Ausstellung im Maria Luisa Park errichtet, unter diesen der Plaza de España von Aníbal González. Von "Gebäude" wird hier deshalb gesprochen, weil der Platz durch ein halbkreisförmiges Gebäude, das sich nahtlos um den Platz legt, erst gebildet wurde. Der Halbkreis hat einen Durchmesser von 200 Metern und soll eine Umarmung der südamerikanischen Kolonien durch Spanien symbolisieren. Außerdem zeigt die Öffnung des Halbkreises in Richtung Fluss, als Parabel für den Weg, dem man folgen muss, um nach Amerika zu gelangen. Die Oberfläche des Platzes beträgt 50.000 m², von denen 19.000 m² bebaut sind und die restlichen 31.000 m² offene Fläche darstellen. Ringsrum befindet sich ein Kanal mit 515 Meter Länge. Dieser wird überquert von 4 Brücken, welche die vier alten Königreiche Spaniens repräsentieren sollen. Das Gebäude ist versehen mit Klinkern, Marmor und Keramiken, die ihm ein Aussehen in einer verspielten Mischung zwischen Renaissance und Barock verleihen. An den Wänden befindet sich eine Reihe von Kachelornamenten (Azulejos), welche an die 48 spanischen Provinzen erinnern sollen und dabei in alphabetischer Reihenfolge angeordnet sind. Dabei stellen sie Landkarten der Provinzen, Mosaike mit historischen Begebenheiten sowie die Wappen der Hauptstädte jeder Provinz dar.

Die Stierkampfarena ist ein ovales Amphitheater, welches 18.000 Menschen fasst und nach der Madrider Stierkampfarena in Las Ventas die größte Arena in Spanien ist. Hierher verlegte Bizet den überaus dramatischen Schlussakt von Carmen. Und ausgerechnet am Tage unseres Besuches hier (22.5.2008) weiht König Juan Carlos I. (man beachte das dezente Nummernschild seines Wagens) vor dem Gebäude ein weibliches Reiterstandbild ein.

Der Guadalquivir ist mit einer Länge von 657 km der fünftlängste und einzige schiffbare (bis Sevilla sogar für Hochseeschiffe) Fluss Spaniens. An seinem Ufer steht (1. Bild) der Torre del Oro (Goldturm) aus dem 13. Jahrhundert. Er hat zwölf Seiten und diente zusammen mit einem (nicht mehr vorhandenen) gegenüberliegenden Turm und einer Kette zur Sperrung des (im Mittelalter noch bis Cordoba schiffbaren) wichtigsten Flusses Andalusiens. Zudem diente der Turm als Gefängnis und als geheime Lagestätte für Edelmetalle der spanischen Gold- und Silberflotte. Sehenswert ist auch die 250 m Alamillo-Brücke (letztes Bild), eine 1992 zur Weltausstellung errichtete, kunstvoll konstruierte einseitige Schrägseilbrücke.

Das Archivo General de Indias ist ein Zentralarchiv des spanischen Staates, das Dokumente mit Bezug zum spanischen Kolonialreich (Spanisch-Amerika und die Philippinen) sammelt. Es ist im prachtvollen Gebäude (16. Jh., Hochrenaissancestil) der ehemaligen Börse von Sevilla - der Casa Lonja de Mercaderes - untergebracht und gilt als das umfassendste und bedeutendste Archiv für die spanische Kolonialzeit. Von hier aus wurde das riesige Weltreich ökonomisch gesteuert und verwaltet. 1987 wurden sowohl das Gebäude selbst als auch der Archivbestand (unter anderem Schriftstücke von Kolumbus, Magellan und Cortez) von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt.

Italica, etwa zehn Kilometer nördlich von Hispalis (Sevilla) am Guadalquivir, war in der Antike eine bedeutende römische Stadt. Sie wurde 206 v.Chr. während des Zweiten Punischen Kriegs von Publius Cornelius Scipio Africanus Major als zunächst bescheidene Siedl gegründet, nachdem es den Römern gelungen war, die Karthager von der iberischen Halbinsel zu vertreiben. Spätestens seit Gaius Iulius Caesar war Italica ein Municipium. Italica ist der Geburtsort des späteren Kaisers Trajan und wohl auch seines Nachfolgers Hadrian, unter dem die Stadt zur Colonia wurde (Colonia Aelia Augusta Italica oder Colonia Victrix Italicensis). Die Westgoten nutzten Italica als Festung, später wurde die Stadt Sitz eines Bischofs. Mit dem Angriff der Mauren (711) auf die iberische Halbinsel begann der Niedergang der Stadt. Das beeindruckende Amphitheater war mit einer Länge von 160 Metern und einem Fassungsvermögen von 25.000 Zuschauern eines der größten im römischen Reich neben denen von Rom, Verona, Capua und Thysdrus (Provinz Africa). Ein weiteres Highlight sind die prachtvollen gut erhaltenen Bodenmosaiken der überaus zahlreichen Villen der Stadt.

 Gibraltar

Fährt man 200 km von Sevilla aus und an Cadiz vorbei immer nach Süden,...

... erreicht man den englischen Stachel im spanischen Fleisch: Gibraltar, im Altertum eine der Säulen des Herakles, seit Ende des Spanischen Erbfolgekriegs 1713 Teil des United Kingdom. Was die Spanier (zu Unrecht) ärgert, ist für Spanienurlauber eine Attraktion und ein witziger Kontrast zum umgebenden urspanischen Andalusien. Im Pub am Mittelmeer bei subtropischen Temperaturen sitzen - das hat etwas, auch wenn heute leider inzwischen die Bobbys in den Straßen der kleinen Stadt fehlen.

Auf Gibraltar gibt es im Grunde nur 2 Sehenswürdigkeiten (beide sind aber eine Reise wert): den Europa Point an der Südspitze der Halbinsel (hier gibt es einen Leuchtturm und eine Moschee, nicht aber die äußerste Südspitze Iberiens - diese befindet sich 25 km südwestlich bei Punta de Tarifa) mit tollen Blicken in die Straße von Gibraltar und aufs ca. 20 km entfernte gegenüberliegende Ceuta und Marokko; sowie natürlich...

... den bis 426 m hohen Upper Rock mit tollen Ausblicken auf Spanien, die Straße von Gibralta, Afrika, den Hafen sowie am Apes Rock auf die in Kleinfamilien freilebenden Berberaffen.

 Rückreise

Am Ende der Reise geht es entlang der zerklüfteten Südküste Spaniens/Andalusiens, der Costa del Sol, zurück in die Berge von Granada.



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