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Geschichte Ägyptens

Vorgeschichte

Vor etwa 20.000 Jahren zwingt zunehmende Dürre im Saharagebiet (vormals grüne Sahara) nomadische Jägerstämme, im Niltal und im Deltagebiet Zuflucht zu suchen. Im achten vorchristlichen Jahrtausend lässt ein Klimawechsel mit hohen Regenmengen die Sahara erneut aufblühen. Manche Gruppen wandern dorthin zurück. Andere verharren im Niltal als halb sesshafte Familien- oder Stammesclans. Bis 3.000 v. Chr. bilden sich die heute bekannten Klimazonen aus: Der Kulturraum Ägypten entsteht. Aus den einzelnen Einwanderergruppen werden eigenständige sesshafte Kulturgemeinschaften, Ackerbau und Viehzucht entwickeln sich. Sie bauen Weizen und Gerste an und zähmen Schafe sowie eine langhörnige Rinderart. Parallel dazu entstehen in ganz Ägypten eigenständige Kulturgemeinschaften. Anfangs hat jede ihren eigenen Gott – vorwiegend Gottheiten in Gestalt von Totemtieren, wie etwa Löwe, Krokodil, Pavian, Ibis u.a. Später werden die betreffenden Göttergestalten Zeichen der einzelnen Gaue des ägyptischen Reichs. In historischer Zeit gab es 42 solcher Gaue: 20 davon im Niltal und weitere 22 im Delta.

Im Lauf der Zeit schließen einige Stämme sich zusammen, und im 4. Jt. haben sich allmählich zwei relativ geschlossene Gebiete herausgebildet: Oberägypten im Süden (Niltal von Kairo bis Assuan) und Unterägypten im Norden (Nildelta). Dieser Einteilung lagen Unterschiede der Landesnatur und Wirtschaftsstruktur zugrunde, die auch im späteren Verlauf der Geschichte Altägyptens etwa 3.000 Jahre lang spürbar blieben.

Prädynastische Zeit (4000 bis 3300 v. Chr.)

Die prädynastische Zeit bezeichnet die lange Zeitperiode vor der 0. Dynastie. In der Archäologie umfasst die prädynastische Zeit die ganze neolithische und chalkolithische Periode (d.h. die "Kupfersteinzeit", während der das Kupfer als erstes Metall auftaucht, während die neolithische Tradition der Steinbearbeitung parallel weitergeführt wird). In diese Zeit fällt die Entstehung der regionalen Machtzentren (Gaue).
Im Delta bilden sich nun durch den Verbund der Gaue zwei Staaten, einer im Westen, der andere im Osten. Horus ist der Gott des westlichen Staates mit der Hauptstadt Behdet (demin-Hor = "Stadt des Horus"). Osiris ist der Gott des östlichen Staates mit der Hauptstadt Busiris ("Osiris"). Bald vereinigen sich diese beiden Staaten zu einem einzigen unterägyptischen Reich mit Sais und später Behdet als Hauptstadt. Es entsteht die Vorstellung von Horus als Sohn des Osiris. Analog bildet sich im Süden ein oberägyptisches Reich der Negade-I-Kultur mit Ombos als Hauptstadt und Seth als Gottheit.
(Hinweise zu den hier und im Weiteren genannten Göttern - siehe Abschnitt wichtige Gottheiten!)

Das Königreich des Deltas erobert später das Königreich des Südens und erlegt ganz Ägypten seine Negade-II-Kultur, die sich nur im Delta entwickelt hat, auf. Busiris wird nun die Hauptstadt des vereinigten Staates, bis eine Erhebung des Südens diesen wieder spaltet. Das Delta aber mit seinem Gott Horus erobert erneut den von Seth beherrschten Süden (ein Kampf, der sich im Osiris-Mythos widerspiegelt). Die Hauptstadt des neuen vereinigten Staates ist jetzt Heliopolis, in welcher der Sonnengott Re (oder "Ra") verehrt wird. Er entsteht die Idee vom Gott Re-Harachte, um den Staatsgott Horus mit Re zu vereinigen und in das heliopolitanische System einzugliedern. Eine erneute Erhebung des Südens in Hermopolis führt schließlich wieder zu einer Spaltung des vereinigten Königreiches in zwei unabhängige Königreiche. Die neue Hauptstadt Unterägyptens wurde Pe, eine Stadt des Horus, die gegenüber von Buto (Dep) lag, der Stadt der Uräus-Göttin (Uto). Die Hauptstadt Oberägyptens wurde Nechen. Nechen war ebenso eine Stadt des Horus, so wurde Horus die dynastische Gottheit beider Staaten und triumphierte endgültig über Seth. Die präthinitische (protodynastische) Zeit war erfüllt von weiteren Kämpfen zwischen den beiden Königreichen. Am Ende war es der Süden, der als Sieger hervorging. König Skorpion scheint seine Waffen bis nach Memphis getragen zu haben. Aber erst seinem Nachfolger Narmer (0. Dynastie) gelang es ca. 3000 v. Chr. endgültig, die beiden Königreiche zu dem zentralisierten geschlossenen Staats zu vereinigen, der als ägyptisches Pharaonenreich anschließend 2000 Jahre lang Welt- und Kulturgeschichte schreibt, bis es nach folgender tausendjähriger Fremdherrschaft schließlich 30 v. Chr. im Römischen Reich aufgeht und als Staats- und Kulturgebilde erlischt. (Die moderne ägyptische Republik hat mit dem Pharaonenreich nur noch Namen und ungefähres Staatsgebiet gemein.)

Oberägyptens Könige trugen eine weiße Krone mit dem zugehörigen Totemtier, einem Geier (Gottheit "Nechbet"); die Krone Unterägyptens war dagegen rot und mit dem Kopf einer Kobra – einer Uräus-Schlange (Gottheit "Uto" oder "Uadjet") geschmückt. Als schließlich beide Reiche vereinigt waren, kombinierte man die beiden Kronen zur Doppelkrone, Geier und Kobra Seite an Seite. Bis zum endgültigen Zusammenbruch der Macht Ägyptens fand die Reichseinigung auf unzähligen Königsdenkmälern Ausdruck: Man erblickt auf ihnen Darstellungen der beiden Reichsgötter Seth und Horus (prädynastische Zeit), die in heraldischer Pose Oberägyptens Lilie mit der Papyruspflanze des Deltagebiets verknüpfen.

Symbole der Doppelmonarchie
Kronen

1) Die Weiße Krone Oberägyptens heißt auf Altägyptisch: hedjet

2) die Rote Krone Unterägyptens heißt auf Altägyptisch: deschret

3) die Doppelkrone des geeinten Reiches. Der altägyptische Name der Doppelkrone
lautet: sechemty, was "die beiden Mächtigen" bedeutet. (auf griech.: pschent)

Kronen König Sesostris III. (12. Dynastie, Mittleres Reich) trägt links die unterägyptische
und rechts die oberägyptische Krone.
nesut und bit Binse und Biene, die Symbole der Doppelmonarchie von Ober- und Unterägypten

Prä-Thinidische Zeit (3300–3000 v. Chr.; 0. Dynastie) und
Thinidenzeit (3000 - 2670; 1.-2. Dynastie)

Diese Epoche beginnt mit dem König Narmer (Nachfolger des Königs Skorpion), in dem einige Wissenschaftler den mythischen König Menes sehen, dem das großartige Unternehmen der Vereinigung der beiden Königreiche (Ober- und Unterägypten) zu einem zentralisierten Staate zu verdanken war.
In einer alten Inschrift liest man über den König Narmer Folgendes: »Er ist ein Köpfezertrümmerer… er schonte nichts«. So wird das grausame Gebaren des Königs auf der berühmten »Narmer-Stele« dargestellt, eine 74 cm hohe Schieferplatte (Abb. unten), die man ungefähr auf 3100 v. Chr. datiert hat. Sie stammt aus Hierakonpolis, eine Stadt, die im vorgeschichtlichen Reich Oberägyptens als heilig angesehen wurde: »Pharao besiegt die Papyrusleute« (die Bewohner Unterägyptens).

Auf die 0. Dynastie folgt die Thinidenzeit mit dem legendären Reichsgründer Pharao Menes (1. Dynastie). In dieser Zeit ist Abydos (Thinis, daher "Thinidenzeit") die Hauptstadt des vereinigten Ägyptens, hier entstehen die ersten großen Grabanlagen der Könige in Form der Mastaba (Oberbau mit unterirdischer Grabkammer, später stufenförmig und somit direkter Vorgänger der gerühmten glattwandigen Pyramiden ab der 4. Dynastie). Es erfolgt eine rasante Entwicklung von Wissenschaft, Technik, Schrift, Literatur und Staatswirtschaft. Die regelmäßigen wirtschaftsbestimmenden Überschwemmungen des Nils fördern eine starke staatliche zentrale Wirtschaftskontrolle. Es wird der 365-Tage-Kalender eingeführt; ein Beamtenheer kontrolliert Wasserverteilung und Feldbesteuerung.

Altes Reich (2750–2160 v. Chr.; 3.-6. Dynastie)

Mit dem Alten Reich geht Ägypten ca. 2.750 v. Chr. aus dem mythischen ins historische Zeitalter über. Die Reichshauptstadt wird von Abydos nach Memphis verlegt. Durch den unvergleichlichen kulturellen und wirtschaftlichen Aufstieg der Thinidenzeit ist nun eine einzigartige Hochkultur entstanden, welche 3 Jahrtausende bestehen und noch Jahrtausende weiterwirken wird. Während dieser großen Periode der ägyptischen Geschichte werden die ersten zivilen und religiösen Gesetze beschlossen und Kunst und Schrift vervollkommnet. Der erste große Pharao ist Djoser, der die dritte Dynastie gründet. Diesem König (und seinem genialen Priester und Architekten Imothep) ist auch der erste monumentale Steinbau in Ägypten zu verdanken, die Stufenpyramide von Sakkara. Er ernennt als erster Pharao einen Wesir (Imothep), der ihn in der Verwaltung des Reiches unterstützt und dem komplexen Verwaltungsapparat vorsteht. Djoser unternimmt Kriegszüge über den ersten Katarakt (bei Assuan) hinaus nach Nubien (wird ägyptische Kolonie) und nach Sinai. Die darauffolgende vierte Dynastie beginnt mit König Snofru, der die Mastaba zur glattwandigen Pyramide perfektioniert. Dies führt unter drei anderen Pharaonen der gleichen Dynastie – Cheops, Chephren und Mykerinos – zum "Weltwunder" des einmaligen Grabkomplexes von Gizeh.
Die fünfte Dynastie beginnt in Heliopolis. Ihre ersten drei Pharaonen sollen aus der Vereinigung der Frauen eines Priesters des Re mit dem Gott selbst geboren worden sein. Von dieser Zeit an nennen sich alle Pharaonen "Söhne des Re". Re selbst als Verkörperung der Sonne ist nun reichsweit verehrter Staatsgott; um das Licht der Sonne zur Erde zu leiten, werden monolithische Obelisken aus dem einzigartigen Granit von Assuan gehauen, stets paarweise errichtet und an der Spitze vergoldet.
Aus der letzten Dynastie des alten Reiches erscheint Phios II. (Pepi II.) als die wichtigste Persönlichkeit. Er besteigt mit sechs Jahren den Thron und regiert zwischen 64 und 94 Jahre, d.h. ähnlich lang oder gar länger als später nur noch der legendäre Ramses II. Das Ende der sechsten Dynastie bringt auch das Ende der Zentralmacht mit sich.

Damit beginnt die Erste Zwischenzeit (2160–2130 v. Chr.; 7.-11. Dynastie), eine bewegte und dunkle Epoche, während der Ägypten über einen langen Zeitraum hinweg von Anarchie und sozialen Umwälzungen erschüttert wird. Vermutlich wurde der Zusammenbruch des Alten Reiches durch eine ungewöhnlich lange Dürreperiode, gefolgt von einer Hungerkatastrophe, eingeleitet. Der aufgeblähte Beamtenapparat mit teilweise lokal sehr autarken "Fürsten" verselbständigt sich. In seiner Folge zerfiel Ägypten erneut in ein nördliches und südliches Reich mit schnell wechselnden Herrschern. Während sich Unterägypten, vermutlich auch durch erste Einfälle von Asiaten ins Delta, nicht konsolidiert, steigt Oberägypten mit seiner glanzvollen Hauptstadt Theben zur neuen Macht in Ägypten auf und kann schließlich den Norden erneut erobern und mit dem Süden wiedervereinigen (Menuthep I., 11. Dynastie)

Mittleres Reich (2130–1650 v. Chr.; 11.-14. Dynastie)

Pharao Mentuhotep I. (auch "Menuthep") stellt das ägyptische Großreich wieder her. Unter ihm wird Theben zur neuen Residenz. Um 2000 v. Chr. beginnt die bedeutende 12. Dynastie mit Pharao Amon-Emhat I. (Amenemhet I.), der den Kult um Amun, den Stadtgott von Theben, fördert und ihn in seiner Vereinigung mit dem Sonnengott als Amun-Re zur obersten Gottheit erklärt. Ägypten erfährt unter diesen großartigen Regenten eine Zeit höchsten Reichtums. Amon-Emhat I. gelingt es, die Grenzen Ägyptens bis ins Herz Nubiens auszudehnen, indem er bis Korosko vordringt und gegen die libysche Bevölkerung kämpft. Sein Nachfolger ist sein Sohn Sestoris I., der die Goldminen von Uadi-Allaki in seinen Besitz bringt. Mit Phönikien werden Handelsbeziehungen geknüpft und die Gegend um Fayum entwässert. Hier baut später Amon-Emhat III. eine großartige und komplexe Residenz. Sein Nachfolger, Sesostris III., besetzte mit vier weiteren Feldzügen endgültig ganz Nubien, stößt bis nach Palästina vor und erbaut zahlreiche Festungen an der Grenze zum Sudan. In dieser Epoche erreicht auch die ägyptische Literatur ihre große Blüte. Der Pyramidenbau erfährt seinen letzten großen Höhepunkt. Schnell wechselnde Herrscher der 13. und 14. Dynastie führen zu einem Ende der Periode inneren Friedens und zu erneuter Destabilisierung des Reiches und ungehinderter Einwanderung asiatischer Völker.

Die folgenden Zweiten Zwischenzeit (1650 - 1555 v. Chr.; 15.-17. Dynastie) ist von der Invasion und Machtübernahme semitischer Völker aus dem Osten gekennzeichnet. Die Hyksos besetzt die fruchtbaren Deltaebenen, befestigen die Stadt Avaris und machen sie zur Hauptstadt. Die Neuankömmlinge führen Pferde und Streitwagen in die Kriegstechnik und neue Metallverarbeitungsmethoden ein. Sie herrschen ungefähr ein Jahrhundert lang in Unterägypten und setzen in dieser Zeit oberägyptische Fürsten in Theben als Statthalter ein. Diese entschließen sich unter Kamoses zum Aufstand und beginnen mit der Vertreibung der Hyksos. Die Zurückeroberung und Befreiung wird um 1540 v. Chr. von Ahmosis, dem Bruder des Kamoses, mit der Eroberung von Avaris vollendet. Er ist der Begründer der 17. Dynastie.

Neues Reich (1555–1080 v. Chr.; 18.-20. Dynastie)

Das Neue Reich trägt den Triumph des ägyptischen Herrschertums in die ganze zivilisierte Welt der damaligen Zeit. Das ägyptische Weltreich entsteht und erreicht nun seinen politischen Höhepunkt. Das Reich ist geeint und trägt nach der Vertreibung der Fremdherrscher ein ausgeprägtes Nationalbewusstsein in sich, Amun wird endgültig oberster Reichsgott, Theben zum religiösen und Memphis zum Verwaltungszentrum. Im Gebirge des westlichen Nilufers gegenüber Theben entstehen - in Ablösung des Pyramidenkultes - im sogenannten "Tal der Könige" die berühmten Felsengräber und (nun vom eigentlichen Grab getrennte) Totentempel der Pharaonen. (Beide Maßnahmen [geheimes Felsengrab und entfernter Totentempel] verfolgen einen rein praktischen Zweck - die [erfolglos bleibende] Eindämmung der überhand nehmenden Grabräuberei.) An den Gräbern wird während der gesamten Amtszeit des Pharaos gebaut, die - im Gegensatz zu den Pyramiden - prachtvolle Ausgestaltung erfolgt mit reliefgeschmückten Gängen und Sälen mit den komplexesten und tiefgründigsten religiösen Darstellungen der Menschheitsgeschichte ("Totenbuch", "Pfortenbuch", "Sonnenlitanei"), die die unaufhörliche Abfolge von Tod und Wiederkehr in Vergleich mit dem Tag- und Nachtlauf (Ober- und Unterwelt, Osten und Westen) der Sonne schildern und dem Toten dabei einen sicheren Weg auf der nächtlichen Unterweltsreise weisen wollen. Herrscher des "Westens" sind in diesen Darstellungen stets Osiris oder Harthor.

Unter den Pharaonen der 18. Dynastie erreicht Ägypten seine größte territoriale Ausdehnung. Amenophis I., Thutmosis I. und II. widmen sich hauptsächlich Kriegs- und Eroberungszügen, nehmen erneut ganz Nubien ein und dringen bis Syrien vor. In der folgenden 22jährigen Regierungszeit der Königin Hatschepsut (die nach dem Tode ihres Gatten Thutmosis II. für den zunächst noch minderjährigen Thutmosis III. regiert, aber so viel Macht und Erfolg erzielt, dass sie auch nach Volljährigkeit des Thronfolgers weiter bis zu ihrem Tode im Amt bleibt) wird das Reich nach innen und außen gefestigt und befriedet und Handelbeziehungen mit Punt (Somalia; Weihrauch und Edelhölzer) hergestellt. Nach ihrem Tod besteigt Thutmosis III. den Thron und lässt an allen Inschriften den Namen der verhassten Vorgängerin ausmerzen. Er regiert 34 Jahre hindurch und setzt die Eroberungspolitik seiner Vorväter mit noch größerem Erfolg fort. In einer legendären Schlacht besiegt er 1468 v. Chr. bei Armageddon, ca. 100 km nördlich von Jerusalem, die aufständischen Asiaten (Hethiter oder Syrer?). Die Schreiber des Pharao berichten über die Schlacht: "Der König gab seinem Heere Anweisungen: ,Erobert tapfer! Erobert tapfer, mein siegreiches Heer! Seht, nach dem Befehl des Re sind heute alle Fremdländer in diese Stadt gegeben! Denn alle Fürsten aller nördlichen Fremdländer sind in ihr eingeschlossen, und das Erobern von Megiddo ist das Erobern von tausend Städten!‘"
Das ägyptische Reich erhält nun die größte Macht und Ausdehnung seiner Geschichte und umfasst auch die Inseln Kreta, Zypern und die Kykladen. Die reichlich fließenden Tributzahlungen ermöglichen einen weiteren kulturellen, wissenschaftlichen und wirtschaftlichen Aufschwung; der Amun-Tempelkomplex von Karnak wird unvorstellbar prachtvoll ausgestattet. Gegen Ende seiner Regierungszeit stößt Thutmosis III. bis zum 4. Katarakt vor; somit reicht Ägypten von Napata in Nubien bis zum Euphrat.

Nach zwei weiteren Herrschern, Amenophis II. und Thutmosis IV., bestieg Amenophis III. den Thron Ägyptens. Er herrschte 38 Jahre lang über Ägypten. Seine glanzvolle Regierungszeit profitierte von der Eroberungspolitik seiner Vorgänger, litt allerdings auch unter der schwer kontrollierbaren Dynamik dieser Entwicklung und den steigenden Spannungen zwischen Pharao und zum Staat im Staate gewordener Priesterschaft. Amenophis III. war weniger Feldherr als Bauherr und Förderung von Kunst und Wissenschaft. Unter seiner Obhut begann der Bau der prächtigen Tempelanlage von Luxor.

Etwa im Jahre 1353 v. Chr. folgt der charismatische Denker Amenophis IV. auf den Thron. Er geht später als sog. Ketzerkönig in die Geschichte ein. Um den Amun-Klerus, der dabei ist, endgültig die Staatsgewalt faktisch zu übernehmen, zu entmachten, ersetzt der Pharao die Vielgötterei durch die erste monotheistische Religion der Menschheitsgeschichte, den Gott Aton, der die Sonnenscheibe verkörpert. Er verlässt im 4. Regierungsjahr Theben, lässt Thebens Tempel schließen und gründet die neue Hauptstadt Achet-Aton (Horizont des Aton), das heutige Tell el-Amarna. Er wechselt seinen Namen von Ahmen-Hotep (Amenophis) in Achen-Aton oder Echnaton (Diener/Wohlgefälliger des Aton). Unterstützt wird er lange Zeit von seiner kongenialen Gattin Nofretete, deren Schönheit, Klugheit und treue Liebe in zahlreichen Darstellungen bis heute überliefert ist.
Nach den 17 Herrschaftsjahren des Echnatons und kurzer Herrschaft von ihm ernannter Nachfolger und Weggefährten endet allerdings schon nach ca. 40 Jahren die revolutionäre Epoche, deren neue religiösen und kulturelle Ideen ihrer Zeit um viele Jahrhunderte voraus waren und nie wirklich vom Volke des Pharaos, das heimlich die alten Götter weiter verehrte, verstanden wurden.

Der nun folgende blutjunge und beeinflussbare Tut-Anch-Aton (lebendes Ebenbild des Aton) kehrt (sicher auch unter dem Druck seiner Berater und Priester) nach Theben zurück und setzt den Amun-Kult und die alten Götter wieder ein. Seinen Namen ändert er in Tutanchamun (lebendes Ebenbild des Amun). Dieser junge König, der auf geheimnisvolle Weise mit etwa 18 Jahren umgebracht wird, geht weniger durch sein politisches Wirken, als durch die sensationelle Entdeckung seines Grabes im Jahre 1922 durch Howard Carter in die Geschichte ein. Als einziges nahezu unbeschädigtes Grab im Tal der Könige gewährte es den Forschern bis heute unvergleichliche Einblicke in die Zeit und Kultur der 18. Dynastie.

Durch die erfolglose Kulturrevolution des Echnaton und die schnell wechselnden Nachfolger ist Ägypten nun innerlich geschwächt und seine äußeren Feinde erstarkt. Die Macht geht in die Hände des Militärs über: Haremhab, Ramses I. (ein Berufssoldat) und sein Sohn Sethos I., der die Eroberungspolitik im Orient wieder aufnimmt, begründen die als "Ramesidenzeit" berühmt gewordene 19. Dynastie und ein letztes Aufblühen der im Untergang begriffenen ägyptischen Macht und Kultur, das vor allem auf einer straffen Militarisierung der Gesellschaft beruht.

Mit Ramses II. (Ramses oder Ramessu: Re-hat-ihn-geboren) kommt der letzte bedeutende ägyptische Pharao an die Macht. Weniger seine tatsächlichen politischen Leistungen als vielmehr seine außerordentlich lange Regierungszeit (67 Jahre) verbunden mit einer enormen Bautätigkeiten mit Neubauten und Umbauten (und Überschreibungen mit seinem eigenen Namen) ließ ihn (etwas ungerechtfertigt) heute zum berühmtesten Pharao der ägyptischen Geschichte werden. Der Kronprinz ist Mitte Zwanzig, als er um 1279 v. Chr. seinem Vater auf den Thron folgt und schon durch die ständige Begleitung seines Vaters regierungserfahren ist. Neben einer Schar von Konkubinen besitzt er mehrere Hauptfrauen, die beiden legitimen Gemahlinnen sind Isis-Nefert und vor allem Nefertari ("Die Schönste von allen"), seine Haupt- und Lieblingsfrau. Ramses II. lebt, denkt und baut in wahrhaft gigantischen Dimensionen. Er ist ein Pharao der Superlative, ein Liebling der Götter, die ihm alles, was den Menschen seiner Zeit erstrebenswert schien, im Übermaß schenkt: reichen Kindersegen, ein langes Leben, Ruhm als Kriegsherr und glänzende Erfolge in Perioden des Friedens. Zahlreiche Tempel und Denkmäler künden noch heute von seiner Macht und Größe - die Hälfte aller heute noch erhaltenen ägyptischen Bauwerke stammen von ihm, fast alle anderen enthalten zumindest seinen Namen. Sein größter politischer Erfolg ist das Unentschieden in der Schlacht bei Kadesch (1285 v. Chr.) gegen die Vorderasien beherrschenden Hethiter und die anschließende Stabilitätspolitik durch den ersten nachgewiesenen Friedensvertrag der Geschichte (wurde deckungsgleich sowohl in Ägypten als auch in Babylon in Keilschrift gefunden) und die Hochzeit mit einer hethitischen Prinzessin. Seine bedeutendsten Bauwerke werden der in Fels gehauene Doppeltempel von Abu Simbel im Niemandsland der nubischen Wüste sowie das Weltwunder des von seinem Vater begonnenen großen Säulensaales im Amuntempel von Karnak.

Nach seinem Tode im hohen Alter von über 90 Jahren folgen ihm sein Sohn Merenptah, Sethos II. sowie in 20. Dynastie in kurzer Abfolge die Pharaonen Ramses III. bis Ramses IX. in der Herrschaft nach. Das ägyptische Reich zerfällt nun zusehends - Dekadenz, Intrigen sowie Machtübernahme durch die Priesterschaft unterminieren den Staat, während in Unterägypten die Seevölker (Phöniker?) einfallen, auch wenn sie zeitweilig von Ramses III. besiegt werden können. Grabräubereien in der Nekropole von West-Theben nehmen erschreckende Ausmaße an, kaum ein Grab der Könige und hoher Würdenträger entgeht der Plünderung. Priester lassen zahlreiche Königsmumien umbetten in andere Königsgräber und Verstecke. Durch den Zusammenbruch der Zentralmacht entstehen überall lokale Fürstentümer, Unterägypten sagt sich vom Reich los:

Die sog. Dritte Zwischenzeit (1080–750 v. Chr.; 21.-24. Dynastie) hat begonnen. Unterägypten wird von der Deltastadt Tanis (Tanidenzeit) aus regiert; die spärliche politische Zusammenarbeit mit dem nun in Oberägypten errichteten Amun-Gottesstaat der Priesterschaft von Theben leistet fremden Eindringlingen keinen nennenswerten Widerstand mehr. Die letzten auswärtigen Besitzungen gehen verloren, Unterägypten selbst fällt in die Hand libyscher und später äthiopischer Könige und wird unter den Fremdmächten aufgeteilt.

Spätzeit (715–332 v. Chr.; 25.-30. Dynastie)

Ägypten wird nun komplett von ausländischen Fürsten beherrscht. In der 25. Dynastie treten äthiopisch-kuschitische Herrscher mit Berufung auf Übernahme des Amunkultes pharaonisches Erbe an, werden aber nach kurzer Zeit wieder nach Süden abgedrängt und halten hier bis in die christliche Zeit das Reich Meroe und Napata aufrecht. In der 26. Dynastie gibt es in Rebellion gegen die nun bestehende assyrische Oberhoheit eine kurze Erneuerung politischer Einheit durch Könige aus Sais (Delta), welche mit dem Sieg der Perser über das Assyrerreich Ende des 7. vorchristlichen Jahrhunderts schnell wieder endet.

Die 30. Dynastie herrscht in der letzten einheimisch-ägyptischen Blütezeit durch Könige aus Sebennytos (Delta). Kurz darauf erfolgt die erneute Eroberung Ägyptens durch die Perser, die 332 von Alexander dem Großen, der von den Ägyptern zu Hilfe gerufen wird, vernichtet werden. Alexander wird als Befreier gefeiert und offiziell als Pharao anerkannt. Er wird von dem Orakel in Luxor als Sohn des Ra, »Sohn des Sonnengottes« erklärt, und gründet eine neue Stadt, Alexandria, wo er im Jahre 323 v. Chr. begraben wird. Nach seinem Tod erfolgt die Aufteilung des Großreiches unter den Diadochen und die Übernahme Ägyptens durch den makedonischen Feldherrn Ptolemaios.

Ptolemäer-Zeit und Römische Zeit

Nach dem Tode Alexanders übernimmt Ptolemaios I. Soter, Sohn des Lagos, die Macht am Nil (Krönung 305 v. Chr.). Alexandria wird Hauptstadt. Der ägyptische Staatskult ist ungebrochen, die Ptolemäer werden als Pharaonen anerkannt. Die letzten großen Tempel entstehen: Edfu, Philae, Dendera und Kom Ombo, in denen einheimische Kulte ein spätes, teils sektiererisch wirkendes Nachleben führen (Entwicklung der extrem "hermetischen" ptolemäischen Hieroglyphenschrift), andererseits erfolgt nun ein Aufblühen eines hellenistisch geprägten Geisteslebens mit Zentrum in Alexandria. Auseinandersetzungen mit anderen Diadochen-Reichen, vor allem aber innerdynastische Auseinandersetzungen und Aufstände einheimisch-ägyptischer Kräfte (Zentrum Thebais) erschüttern die Ptolemäer-Herrschaft. Der Handel mit Afrika und Indien blüht jedoch.

Römer-Zeit

47 v. Chr. landet Cäsar in Ägypten und macht Königin Kleopatra zu seiner Geliebten. Nach Cäsars Ermordung geht sie 41 v. Chr. eine Verbindung mit Marcus Antonius ein, der den Ostteil des Römischen Reiches beherrscht. Mit dessen Hilfe will Kleopatra ein Großreich schaffen. Der römische Senat erklärt Marcus Antonius zum Staatsfeind. Cäsars Adoptivsohn Oktavian zieht gegen ihn zu Felde. Nach der entscheidenden Schlacht bei Actium, 31 v. Chr., nehmen sich Marcus Antonius und Kleopatra das Leben; Ägypten wird römische Provinz. Wie die Ptolemäer regieren die Römer als Pharaonen, achten die ägyptische Kultur und bauen im Landesstil. Ägypten wird zur Kornkammer Roms. 24 v. Chr. bereist der Grieche Strabo das Land und verfasst die erste Geographie. Die zunehmende Verbreitung des Christentums verdrängt die altägyptische Religion, Ägypten wird zum ersten christianisierten Land mit zahlreichen Einsiedeleien und Klöstern. Die Tempel werden geschlossen. Nach der Teilung des Römischen Reiches (395 n. Chr.) fällt Ägypten an Ost-Rom. Im Jahre 646 n. Chr. wird Ägyptens durch den Islam erobert, womit Ägypten endgültig kulturell und religiös untergegangen ist; griechische und römische Glaubensvorstellungen knüpften noch an die altägyptischen religiösen Vorstellungen an, während der Islam gar keine Bezugspunkte zur altägyptischen Religion und Kultur mehr herstellte, sondern diese vollständig verdrängt.



 

Wichtige Gottheiten

Kleine Auswahl der wichtigsten Götter des alten Ägypten
(Quelle: Gotthard Matysik, www.geschichte-online.info)
Re Re (oder "Ra"; später "Re-Harachte" als Vereinigung von Re und Horus und Tagesgestalt des Sonnengottes): Falkenköpfiger Sonnengott aus Heliopolis, in der Sphinx verkörpert, emporgestiegen aus einer Lotosblüte. Schöpfer und Erhalter der Welt. Wichtigster Sonnengott zu allen Zeiten, aus sich selbst entstanden. Urgott. Pharao war Sohn des Re. Eine Sonnenscheibe tragender falkenköpfiger Sonnengott, in der Ähnlichkeit mit Menschenkopf und Bart als dem Urschöpfungsgott Re-Atum. Staatsgott des Neuen Reiches in Heliopolis ("Re-Harachte-Amun"). Weibliches Komplement ist Göttin Rat. Seine Tochter: Maat. Tempel in Heliopolis.
Horus Horus: Sohn des Osiris und der Isis. Königs-/Himmelsgott in Gestalt eines Falken. Sonnengott als geflügelte Sonne. Re, das Haus am Horizont. Re-Harachte, Königs- und Stadtgott von Hierakonpolis, Residenz erster Herrscher seit der 1. Dynastie. Landesgott mit der Verbindung zu Macht, Würde und Abstammung zu einem König. Einer der ältesten und Wesentlichsten Götter Ägyptens. Die irdische Inkarnation des Gottes, sichtbar im Horus-Namen, erste königliche Titulatur. Durch den Pharao verkörperte sich Gott Horus auf Erden. Symbol des lebenden Pharao. Gott des Königtums. Horus bezwingt seinen Oheim Seth und kann damit den Tod seines Vaters Osiris rächen. Darstellung in verschiedenen Lokalformen als stehender, stolzer Falke, als geflügelte Sonne, in Menschengestalt mit Falkenkopf und oftmals mit Doppelkrone. Horustempel in Edfu. Griechisch: Apollon.
Seth Seth: Gott der Verwirrung, der Wüste, Stürme und Kriege (Chaos) und aller fremden Länder (besonders von den semitischen Herrschern verehrt). Gewalttätiger und zwielichtiger Gott. Dargestellt als Krokodil oder Flusspferd (Verkörperung des Bösen, aber auch der Kraft). Bruder und Mörder des Osiris.
Osiris Osiris: Fruchtbarkeits- und Sonnengott. Durch Isis Herrscher der Unterwelt (des Westens), Totengott (ewig sterbender, ewig lebender Gott) in Mumienform mit Spitzkrone, Federn und Gehörn. Regent der Unterwelt. Er nimmt seine Schwester Isis zur Gemahlin und wird von seinem Bruder Seth aus Eifersucht ermordet. Seinen zerstückelten Körper suchte Isis zusammen, verbindet die Leichenteile durch Anubis zur ersten Mumie und erweckt ihn so zu neuem Leben. Osiris lebt als Gott der Unterwelt in Gestalt eines heiligen Stieres weiter. Jeder verstorbene Pharao im Alten Ägypten wurde zu Osiris. Darstellung in Wickelgewand mit Krummstab und Geißel. Hauptheiligtum in Abydos. Ältester Sohn des Erdgottes Geb und der Himmelsgöttin Nut. König. Bruder-Gemahl der Göttin Isis. Sohn: Horus. Griechisch: Dionysos.
Isis Isis: Hauptgöttin. Gottesmutter und Schutzgöttin. Mutter der Natur, Herrin aller Elemente. Universale Göttin. Göttin von Schutz und Zauber. Delta-Göttin und Schutzherrin der Königskrone. Oberste Gottheit, Königin der Toten und erste Bewohnerin des Himmels. Himmels- & Liebesgöttin (Ischtar). Darstellung in Menschengestalt mit Kuhhörnern oder Thron-Krone, Sonnenscheibe und Papyrusstengel. Heiligtümer auf der Insel Philae, in Memphis und Busiris. Schwester & Gemahlin des Osiris. Isis sucht die Leichenteile des ermordeten Gatten zusammen und verbindet den Körper zur ersten Mumie. Sohn: Horus. Griechisch: Demeter.
Amun Amun (oder "Ammon"): König der Götter. Amun - der Verborgene, die Personifikation des Unsichtbaren, der verborgene Lufthauch. Gott von Theben seit der XI. Dynastie, später von ganz Ägypten. Gott der Achtheit u. des Windes. Danach Fruchtbarkeits-, Zeugungs- und Lichtgott, später mit dem Sonnegott zu Amon-Re verschmolzen. Nach Vertreibung der Hyksos Reichsgott mit seinem Tempel in Karnak bis ins 5. Jh. v. Chr. Erzeuger der Pharaonen. Gott in Menschengestalt mit der doppelten Federkrone. Seine heiligen Tiere sind Widder u. Gans. Seine Gemahlin: Mut. Sohn: Chons (zusammen die Heilige Familie). Griechisch: Zeus.
Anubis Anubis: Gott "der in den Mumienbinden ist", auch Ano-Oobist, Anoubis, Anpu oder Inpu genannt. Darstellung: Zum einen als großer schwarzer Hund oder Schakal, und zum anderen als Mensch mit einem Hunde- oder Schakalkopf. Begleiter der Toten in die Unterwelt. Später Gott der Balsamierung, Totenriten und Nekropole. Sohn des Osiris u. Nephthys.
Hathor Hathor: Göttin der Freude (Musik u. Tanz), des Himmels. Liebesgöttin. Schutzpatronin der Bergleute. Schutzgöttin der Wüstengebirge (in Sykomore) u. in Theben. Göttin des Todes. Universale Göttin. Hat-Hor = Haus des Horus. Himmelsgöttin in Menschengestalt mit Kuhkopf, in Gestalt der Kuh, des Löwen oder der Schlange. Heiligtum in Dendera. Griechisch: Aphrodite.
Maat Maat: Göttin der Wahrheit, auf dem Thron im Gerichtssaal des Osiris. Herrscherin der Weltenordnung. Sie ist die Personifikation von Eintracht, Wahrheit, Recht, Ordnung u. Ethik. Erscheinung oftmals als Puppe. Feder als Kopfschmuck. Tochter des Gottes Re.
Min Min: Gott der Fruchtbarkeit u. der Zeugung. Erntegott u. Schutzgott der Wüste. Darstellung meist mit doppelter Federkrone des Amun, königlicher Geißel und aufragendem Glied.
Aton Aton: Die Sonne als heiliger Himmel u. lebende Gewalt, als sichtbare Naturerscheinung. Nur das Gestirn allein, im Gegensatz zu Re mit seinen vielen menschlichen Erscheinungsformen. Atonverehrung seit 1450 in Heliopolis gilt als erstes monotheistisches Dogma u. Staatstheologie. Darstellung als Sonnenscheibe mit nach unten ausgehenden Strahlen, die in geöffneten Händen enden. Hauptheiligtum in Amarna.
Ptah Ptah: Haupt- u. Stadtgott v. Memphis. Oberster Schöpfergott. Schutzherr der handwerklichen Künste. Darstellung als menschengestaltige Mumie in engsitzendem Gewand, mit kahlgeschorenem Haupt und enganliegender Haube dargestellt; in seinen Händen hält er einen Stab, der eine Kombination aus dem Anch-Zeichen (Leben), dem Was-Zepter (Macht) und dem Djed-Pfeiler (Dauer, Beständigkeit) ist - Symbol für Macht und Kraft. Manchmal steht er auch auf einem Sockel oder Podest (Thronsockel), das die Form der Hieroglyphe "maa" hat und deren Bedeutung auch als Symbol für Maat (Ordnung, Weltordnung) stand; ab dem Mittleren Reich trägt er einen steif abstehenden Kinnbart.
Bastet Bastet: Göttin der Musik, des Unheils u. der Krankheit. Schutzgöttin der Liebe in Katzengestalt. Die Katzenverehrung beginnt in Bubastis im Nildelta als Göttin der Liebe u. Freude u. wird in ganz Ägypten populär. Gegenstück Sechmet. Darstellung in Menschengestalt mit fröhlichem Katzenkopf. Ihr Fest wird als Nationalzeremonie begangen. Griechisch: Artemis.
Sechmet Sechmet: Kriegsgöttin, bringt Krankheiten u. Seuchen u. heilt sie. Sie ist das zornige Auge des Re, das jeden Feind der Sonne zu vernichten trachtet. Botin des Todes. Verehrung in Memphis, Letopolis, Bubastis, Karnak, Esna u. allen nubischen Tempeln. Darstellung als löwenköpfige Frau. Gemahlin des Ptah.
Nut Nut: Göttin des Himmels. Sie symbolisiert das Firmament und wurde als die Mutter der Gestirne angesehen. Sie stellte den Himmel dar; ihr Lachen war der Donner und ihre Tränen der Regen. Der Körper der Nut symbolisierte das Himmelsgewölbe, er trennte die Erde von der sie umgebenden Urflut. Nach mythologischer Vorstellung spannte sich Nuts Körper schützend über die Erde; ihre Gliedmaßen, die den Boden berühren sollten, symbolisierten die vier Himmelsrichtungen. Als eine der Urgöttinnen ist sie Teil des Schöpfungsmythos der Neunheit von Heliopolis: Tochter des Schu, dem Gott der Luft, und der Tefnut, der Göttin der Feuchtigkeit, und Enkelin des Sonnengottes Atum. Zusammen mit ihrem Gemahl Geb, dem Gott der Erde, zeugte sie die Gottheiten Osiris, Isis, Seth und Nephtys.


 

Bilder

Keine Zeit zum Lesen von vorn bis hinten? Hier die Schnellverbindung zu den einzelnen Reiseetappen:
Theben |  Tal der Könige |  Tempel der Hatschepsut |  Memnonkolosse |  Karnak |  Luxor |  Edfu |  Kom Ombo |  Assuan |  Abu Simbel |  Philae |  Nilbilder |  Esna |  Hurghada |

 

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 Theben

Theben (altägyptisch Weset, Uaset, Pe-Amun oder Nut; hieroglyphisch Ape oder T'Ape; griech. Thebae oder Diospolis; in der Bibel No), das hunderttorige Theben von Homers Ilias, war die Metropole Oberägypten, als solche glänzende Hauptstadt des Mittleren Reiches und religiöses Zentrum des Neuen Reiches. Noch Ende des 19. Jahrhunderts war nur ein ausgedehntes Ruinenfeld zu beiden Seiten des Nils vorhanden, heute befindet sich in Theben-Ost eines der touristischen Zentren Ägyptens.

Das Gebiet von Theben umfasst ein Gebiet auf beiden Nilseiten; es gliedert sich in das einst sehr belebte Theben-Ost (heute u.a.: Luxor mit Flugplatz, dem modernen Ort Luxor, einem sehenswerten Museum sowie dem Luxor-Tempel; Karnak, ein kleines Dorf mit den Relikten des antiken Karnak mit dem Tempelkomplex Amun-Tempel, Chonstempel, Tempel des Month etc.) und das den Toten gehörige Theben-West (Tal der Könige; Totentempel der Hatschepsut, Tal der Königinnen, Memnonkolosse am Totentempel des Amenophis III. u.v.a.m.). Heute bezeichnet Theben häufig nur noch das Gebiet auf der westlichen Nilseite, also Theben-West; Luxor schließt gelegentlich den Ort Karnak mit ein und wird synonym zu Theben-Ost verwendet.

 

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 Tal der Könige

Das Tal der Könige war die Königsnekropole des Neuen Reiches (18.-20. Dynastie), in der bis heute 63 Gräber und Gruben aufgefunden wurden. Das Tal befindet sich in Theben-West gegenüber von Karnak, am Rand der Wüste und ist gesäumt von hohen Bergen, namentlich durch die natürliche Felspyramide el Korn (Das Horn); nahezu das gesamte Gebiet von Theben-West bildet eine riesige Nekropole. Unweit liegt das beinahe unbekannte Tal der Königinnen. Trotz jahrtausendelanger Aktivität von Grabräubern und Plünderern lieferte das Tal der Könige den Ägyptologen der Neuzeit noch zahlreiche höchst wertvolle Grabungsfunde, unter anderem wurde das weitgehend unversehrte Grab des Tutanchamun dort im Jahr 1922 von Howard Carter entdeckt.

 

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 Tempel der Hatschepsut

Der Totentempel der Hatschepsut (Frau und Thronerbin von Thutmosis II.) ist der am besten erhaltene Totentempel am Westufer des Nil in Theben. Auffällig ist seine eigenwillige Architektur: Die Pylone sind durch offene Pfeilerhallen am Anfang je einer Terrasse ersetzt. Der Tempel ist komplett aus Kalkstein errichtet. Der gesamte Talkessel von Deir el-Bahari ist hauptsächlich den Göttern Hathor und Amun-Re geweiht, daneben auch Horus in Chemnis, Anubis, Amun und Iunmutef. Der Tempel wurde bis in ptolemäische Zeit genutzt.

 

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 Memnonkolosse

Die Memnonkolosse sind etwa 18 Meter hohe Zwillingskolossalstatuen aus Quarzit. Sie stehen unweit des Tals der Könige in Theben-West. Die um 1370 v. Chr. errichteten Sitzfiguren stellen den Pharao Amenophis III. dar und bewachten einst seinen Totentempel, von dem kaum mehr Überreste vorhanden sind. Da bereits in der zweiten Hälfte des 1. Jahrtausends v. Chr. längst die wahre Bedeutung der beiden Sitzstatuen in Vergessenheit geraten war, assoziierten bereits die alten Griechen sie mit zwei Helden aus dem Kampf um Troja, dem Krieger und Königssohn Tithonos und dem äthiopischen Helden Memnon, Sohn der Eos, der Morgenröte, nachdem sie dann benannt wurden. Durch ein Erdbeben um 27 v. Chr. wurden die beiden Statuen schwer beschädigt. Die nördliche Statue (im Bild rechts) verursachte bis zu ihrer Restaurierung durch Kaiser Septimius Severus um 200 n. Chr. besonders bei Sonnenaufgang sphärisch klingende Töne. Vermutlich wurden die Töne durch Wind, sich erwärmende Luft oder durch Temperaturschwankungen erzeugt, die durch abgeplatzte und in Spalten schwingenden Steinpartikelchen als Gesänge zur Begrüßung von Memnons Mutter Eos gedeutet wurden. So ließ z. B. im Jahr 92 n. Chr. der Präfekt von Ägypten, Titus Petronius Secundus, eine Inschrift anbringen, die von diesem Ereignis berichtet. Auch der reisefreudige Kaiser Publius Aelius Hadrianus besuchte 130 n. Chr. mit seiner Gattin Sophia die Statuen, um das einmalige Hörereignis selbst zu erleben.

 

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 Karnak (Großer Amun-Tempel des Mittleren und Neuen Reiches)

Nach der Erhebung Amun-Res von Theben zum Lokalgott und später zum Reichsgott begannen die Herrscher des frühen Mittleren Reiches mit dem Bau eines Tempels, der über Jahrtausende hinweg zum heutigen Tempelkomplex erweitert wurde. Hier wurde der Gott verehrt und die Amun-Priesterschaft verrichtete den täglichen Tempeldienst. Auch für die Gattin des Amun die Göttin Mut und ihren gemeinsamen Sohn Chons wurden Tempel errichtet.

Der Karnak-Tempel ist die größte Tempelanlage in Ägypten und liegt etwa 3 Kilometer nördlich von Luxor und direkt am Nil. Den Namen hat sie von dem Dorf Karnak, das direkt an die Tempelanlage grenzt. Die Tempelanlage besteht aus drei von Mauern umgebenen Bereichen. Herausragend unter den Ruinen sind der Tempel des Amun-Re mit seinen insgesamt zehn Pylonen, deren Breite bis zu 110 m beträgt und eine Höhe von bis zu 40 m besitzen sowie die große Säulenhalle, die von Sethos I. begonnen und von Ramses II. vollendet wurde. Der größte Bereich der Anlage ist der sogenannte Amun-Bezirk. Er umfasst eine Fläche von 530 x 510 x 700 m und beherbergt den großen Tempel des Amun-Re, den Tempel des Chons und ein kleines Heiligtum des Ptah. Etwa 350 m südlich liegt ein Bereich von ungefähr 350 x 250 m, der den Tempel der Mut umfasst. Er war durch eine Sphingenallee mit dem Amun-Re-Tempel verbunden. Nördlich, direkt neben dem großen Bereich des Amun-Re befindet sich ein 151 x 155 m großer Bereich mit einem Tempel des Month. Östlich des Amun-Bezirkes befand sich ein Aton-Heiligtum, das Gem-pa-Aton, das von Echnaton vermutlich im Jahr 6 seiner Regierung erbaut wurde. Nördlich des Amun-Re-Tempels wurde im 20. Jahrhundert die Weiße Kapelle Sesostris I., das älteste erhaltene Bauwerk der Anlage und die Alabasterkapellen aus wiedergefundenem Baumaterial rekonstruiert. Anfang des 21. Jahrhunderts wurde hier auch die Rote Kapelle der Hatschepsut wieder errichtet. In der Antike verband eine Straße, die beidseitig von Widdersphingen gesäumt war, den Karnak-Tempel mit dem 2,5 km entfernten Luxor-Tempel. Diese Straße endete an einem Tor in der südlichen Außenmauer des Amun-Tempels.

 

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 Luxor (Amun-Tempel Amenophis' III. )

Der Luxor-Tempel wurde zur Zeit des Neuen Reichs errichtet und südlicher Harem des Amun von Karnak genannt. Er war dem Gott Amun, seiner Gemahlin Mut und ihrem gemeinsamen Sohn, dem Mondgott Chons, geweiht. An der vermeintlichen Stelle eines Heiligtums aus der 12. Dynastie wurde unter Pharao Thutmosis III. die Stationskapelle im ersten Hof gebaut. Später ließ Amenophis III. den heutigen südlichen Teil des Tempels mit Sanktuar, Säulenhalle und dem zweiten Hof errichten. Auch der Säulengang wurde zu seiner Regierungszeit begonnen. Unter Amenophis IV. wurde der Tempel geschlossen, der Name des Gottes Amun getilgt und er errichtete in der Nähe ein Atonheiligtum. Tutanchamun baute am Säulensaal weiter, der durch Haremhab fertiggestellt wurde. Ramses II. ließ den ersten Hof und den großen Pylon mit den Statuen und den Obelisken aufführen. Nektanebos I. gestaltete den Hof vor dem Pylon aus.

Der Luxortempel erfüllte im Wesentlichen zwei Funktionen: Einmal im Jahr – zum ägyptischen Neujahrstag – wurde das Opet-Fest begangen. Die Statuen der Götter Amun, Mut und Chons wurden in tragbaren Barken vom 2,5 Kilometer entfernten Karnak-Tempel auf der damals beide Tempel verbindenden Prozessionsstraße hierher gebracht. Diese Feier dauerte anfangs 11 Tage wurde aber in späterer Zeit auf 27 Tage verlängert. An den sogenannten Stationstempeln wurde eine Pause eingelegt und die Barken abgestellt. Das Ziel der Barke der Mut und des Chons waren die Kapellen direkt hinter der Säulenhalle. Nur die Amunbarke wurde ins Sanktuar gebracht. Die zweite Funktion war die Vereinigung des Königs mit seinem göttlichen Ka. Es war die jährliche Wiederholung – auch am Neujahrstag – der Vergöttlichung des Königs, wie sie schon bei seiner Thronbesteigung erstmals vollzogen wurde.

Als touristisches Mitbringsel aus Luxor lohnen sich die überall angebotenen schönen Arbeiten aus Papyrus, dem wichtigsten Schreibmaterial der Antike. Es wird aus der unterägyptischen Papyrus-Staude gewonnen. Das Mark des Pflanzenstängels wird dabei in bis zu 4 cm breite Streifen geschnitten, die leicht überlappend aneinandergelegt werden. Zwei einander kreuzweise überlagernde Schichten dieser Streifen werden zu einem festen Blatt gepresst und geklopft, das von der Klebekraft des stärkehaltigen Pflanzensafts zusammengehalten wird. Dann wird die "Platte" getrocknet. Danach kann man den Papyrus bemalen oder beschreiben. Mit einem Spezialleim werden die Blätter bei Bedarf gewalzt und in einheitlicher Faserrichtung zu Rollen verklebt.

 Von Theben nach Assuan

 

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 Edfu (Horus-Tempel der Ptolemäer)

Die ca. 200 km zwischen Theben und dem 1. Nil-Katarkt bei Assun legt man noch heute am bequemsten per Schiff auf dem Nil zurück und passiert dabei auf wundervoller Fahrt blühende Felder und antike Zeugnisse. Etwa hundert Kilometer südlich von Theben erreicht man das 60.000 Einwohner zählende Städtchen Edfu, das vom alten Töpfereigewerbe, einigen Zuckerfabriken und vom Handel lebt.

Wichtigster Gewerbezweig ist aber sicher der Tourismus rund um den weltberühmten spätägyptisch-griechischen Horus-Tempel. Gegründet wurde er 236 v. Chr. im 10. Regierungsjahr von Ptolemaios III. Sein Nachfolger Ptolemaios IV. (Philopator) stellte ihn im Rohbau fertig. Bedingt durch kriegerische Unruhen nahm erst Ptolemaios VI. (Philometor) 176 v. Chr. den Bau wieder auf. 147 v. Chr. konnte er endlich unter Ptolemaios VII. (Euergetes II.) fertiggestellt werden. Ptolemaios VII. ließ auch die große Vorhalle errichten, die 122 v. Chr. vollendet wurde. Der große Pylon von knapp 70 m Breite und 32,50 m Höhe sowie der dahinter liegende Kolonnadenhof, der 49 m mal 42,6 m misst, wurden von Ptolemaios IX. (Sotêr II.) und Ptolemaios X. (Alexander I.) erbaut. Die Reliefs auf dem Pylon fügte Ptolemaios XII. (Neos Dionysos) 57 v. Chr. abschließend hinzu.
Vor dem Pylon stehen rechts und links zwei wunderschöne große Falken aus schwarzem Granit. Hinter dem Pylon folgt der große Kolonnadenhof, von dem aus die Weihehalle und die Bibliothek erreicht werden kann. Am Ende steht ein 25 m breiter und fast 14 m langer Portikus von 18 Säulen, hinter dem sich noch eine Halle, Gänge und Kammern befinden. Das Allerheiligste mit der Totenbarke bildet ein in sich abgeschlossen kleines eigenständiges Bauwerk.
Die Inschriften des Edfu-Tempels sind für die Philologie von großer Bedeutung, da sie zu den größten zusammenhängenden Sammlungen von hieroglyphischen Texten der Griechisch-Römischen Zeit gehören. Seit 1986 übersetzt das Hamburger Edfu-Projekt diese Inschriften. Bislang sind in deutscher Sprache die Texte des Pylonen sowie der Außenseite der Umfassungsmauer publiziert.

 

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 Kom Ombo (Sobek-Haroeris-Doppeltempel der Ptolemäer und Römer)

Rund 50 km nördlich von Assuan trifft man am rechten Nilufer auf das Dorf Kom Ombo, heute bekannt durch seinen Kamelmarkt sowie die

Ruinen des spätägyptisch-griechisch-römischen Sobek-Haroeris-Doppeltempels. Verehrt wurden hier der Krokodilgott Sobek und die lokale Horusgottheit Haroeris (Horus der Alte). Die Reliefausschmückung ist sehr gut erhalten. Sehr schöne und gut erhaltene Darstellungen der Göttin Nechbet (Geiergöttin, Beschützerin der Wege) befinden sich auf den Architraven. Der Gott Haroeris bildet in Kom Ombo mit Ta-senet-nofret und Pa-neb-taui eine eigene Triade, ebenso Gott Sobek mit Hathor und Chons.
Ptolemaios VI. Philometor hat den heutigen Tempel im 2. Jh. v. Chr. vermutlich begonnen, errichtet auf den Resten vermuteter Vorgängerbauten der 12., 18. und 19. Dynastie. Die Dekoration wurde bis ins 2./3. Jh. n. Chr. ergänzt, aber nie vollkommen fertiggestellt.
Als Doppeltempel besaß die 51 × 96 m große Umfassungsmauer auch zwei Eingänge als Doppelportal. Hinter dem Hof erhebt sich der Pronaos mit 3 × 5 Säulen, 12 Meter hoch mit herrlichen Kompositkapitellen. Zwei parallele Zugänge zum Inneren deuten auf das Doppelheiligtum. Sie führen in einen Säulensaal mit 2 × 5 Säulen, drei Vorsälen und zwei Sanktuarien mit schwarzen Granitsockeln. Die Rückwände sind durchbrochen und stellen eine Verbindung zu den Kultbildkammern her. In der Nord- und der Ostecke waren Krypten eingebaut. Die Reliefs und Dekorationselemente wie Kapitelle, Friese und Hohlkehlen zählen zu den bedeutendsten Werken ptolemäischer Baukunst.
Interessante Ausstellungsstücke sind heute die erhaltene Krokodil-Mumie und eine der ältesten Darstellungen antiker medizinischer Instrumente (vorletztes und letztes Bild).

 

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 Assuan

Assuan (arabisch "das Tor"; das antike Syene) ist eine Stadt am rechten Nilufer unterhalb des 1. Kataraktes in Ägypten, 106 m ü. NN. und mit etwa 220.000 Einwohnern (2002) die südlichste Großstadt des Ägyptens, umgeben von zahlreichen Sehenswürdigkeiten:
Nicht nur touristische Bedeutung haben der alte, von den Engländern erbaute Assuan-Staudamm (2 km lang, seit 1902 in Betrieb) sowie der neue Assuanhochdamm (3,6 km lang, 111 m hoch, am 15. Januar 1971 eingeweiht; er staut den 400 Kilometer langen Nasser-See). Im Jahre 1964 startete die UNESCO die größte Rettungskampagne in der Geschichte der Archäologie. Sowohl Tempel wie Abu Simbel wie auch rund 35 Dörfer wurden versetzt. Fast 150.000 Menschen wurden zwangsumgesiedelt.
Altertümer umgeben ringsum die Stadt: von den Pharaonen und Ptolemäern erbaute, jetzt halb unter Flugsand begrabene Tempel und Paläste und von den Römern und Arabern aufgeführte Festungswerke und Gemäuer.
Auf der linken Seite des Stroms auf dem Qubbet el-Hawa liegen die antiken Gräber von Syene, gegenüber nach Süden hin zahlreiche fruchtbare Inseln, darunter das Elephantine der Alten und Philae mit berühmten Tempelruinen wie z.B. dem Isis-Tempel, der in 44000 Einzelteile zerlegt und 1979 auf einer kleinen Insel neu aufgebaut wurde.

Bemerkenswert sind auch die über sechs Kilometer langen Steinbrüche mit rotem Granit, aus welchem sämtliche Obelisken und viele Kolossalstatuen der ägyptischen Tempel gefertigt wurden, inklusive eines unvollendeten liegenden Obelisken, welcher der größte bekannte Obelisk hätte werden können, jedoch offensichtlich beim Bearbeiten oder Aufstellen im Steinbruch geborsten. Ebenso interessant sind die Ruinen des koptischen Simeonskloster aus dem 7. - 13. Jahrhundert.

 

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 Abu Simbel (Ramses- und Nefertari-Felsentempel)

Abu Simbel ist ein kleiner Ort in Nubien, 280 Kilometer südlich von Assuan und weltberühmt durch die einzigartige Doppeltempelanlage, die Ramses II. am westlichen Nilufer zwischen dem ersten und zweiten Katarakt für sich und seine Lieblingsfrau Nefertari erbauen ließ, um an der südlichen Grenze des Pharaonenreiches die Macht Ägyptens gegenüber dem tributpflichtigen Nubien zu demonstrieren. Der Tempel steht jedoch nicht mehr am Ursprungsort, sondern wurde auf Grund des Baus des neuen Assuanstaudamms in den 1960er Jahren in einer technischen Meisterleistung unter Mitwirkung von 50 Nationen in 1036 Blöcke zerschnitten und 180 m weiter und 64 m höher wieder zusammengesetzt.

Der Große Tempel des Ramses II. ist den Reichsgöttern Amun-Re, Horus von Mehu, dem vergöttlichten Ramses und Ptah geweiht. Die Bergflanke dient als Pylon (Toranlagen). Die Angaben über die Maße der Tempelfassade variieren zwischen 30 und 35 Metern. Die vier gewaltigen Kolossalstatuen stellen Ramses II. dar und sind 22 Meter hoch. Der Sonnengott Re tritt frontal in der Mitte der Tempelfassade heraus, versehen mit den Attributen Sonnenscheibe (Re), Wsr-Zeichen in der Rechten und Maat-Figur in der Linken. Diese Symbole können als Thronname Ramses II. gelesen werden: „User-Maat-Re“, wodurch der König zu einer Inkarnation des Re, zur „Großen Seele des Re-Harachte“, wird. Die kleinen Statuen zwischen den Kolossalstatuen stellen Familienmitglieder dar: seine Mutter Tuja, Königin Nefertari und einige gemeinsame Kinder. Den oberen Abschluss der Tempelfassade bildet ein Fries aus Pavianen, den sogenannten Sonnenaffen oder heiligen Affen. Dieser Fries war es, der 1813 den Basler Jean Louis Burckhardt auf den sonst völlig versandeten Tempeleingang aufmerksam machte. Der Fries ist der erste Teil des Tempels der von der aufgehenden Sonne erleuchtet wird.
60 Meter in den Fels führt die Tempelanlage, zunächst in die große dreischiffige Halle mit zweimal vier Statuenpfeilern des Königs. Vier dieser Pfeiler zeigen Ramses mit der oberägyptischen, die anderen vier mit der unterägyptischen Krone. Die Reliefs der Halle verherrlichen die kriegerischen Taten des Königs als Sieger über Syrer, Libyer und Nubier, vor allem aber wird hier eine Version über die Schlacht von Kadesch dargestellt. Im hinteren Bereich der Großen Halle zweigen insgesamt sechs Seitenkammern ab, die wohl der Aufbewahrung von Vorräten dienten.
Auf der Tempelachse erreicht man dann die kleinere Vier-Pfeiler-Halle mit Opferszenen, eine Querhalle mit zwei Nebenräumen und das Sanktuar. In diesem sind Statuen der Götter Ptah, Amun und des Horus von Mehu sowie des vergöttlichten Ramses aufgestellt. Durch ein Erdbeben wurde der Tempel noch zu Lebzeiten des Königs beschädigt, wie zusätzlich eingefügte Stützmauern beweisen. Vielleicht ist damals eine der Kolossalstatuen abgestürzt.

Der Kleine Tempel der Nefertari ist der vergöttlichten Königin sowie der Hathor von Ibschek geweiht. Auch dieser Tempel ist in den Fels eingetieft. Die aus der Felswand geschlagenen Figuren zeigen je zweimal Nefertari, Hathor und Ramses, die alle ca. zehn Meter hoch und in gleicher Größe sind. Dies stellt eine besondere Auszeichnung für Nefertari dar, da die Ehefrauen der Könige meist kleiner dargestellt wurden (wie beim Großen Tempel). Der Tempel führt 21 Meter tief in den gewachsenen Felsen. Hinter dem Eingang befinden sich eine Sechs-Pfeiler-Halle, eine Querhalle mit zwei Nebenräumen und das Heiligtum. Nefertari wird hier als Inkarnation der Göttin Hathor angesprochen, was mit den Darstellungen der Hatschepsut in ihrem Tempel in Deir-el-Bahari vergleichbar ist. Die Reliefs zeigen Krönungsszenen und den Schutz der Königin durch Göttinnen der Liebe und der Fruchtbarkeit.

In der Wüste bei Abu Simbel lassen sich häufig Fatamorganas beobachten.

 

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 Philae (Isis-Tempel der Ptolemäer und Römer)

Als Perle des Nil wurde der Tempel der Isis (spätägyptisch-griechisch-römisch) auf der Insel Philae gerühmt, der auf Grund der großen Beliebtheit des Isis-Kultes im Römischen Reich (Isis als Göttin der Fruchtbarkeit, der Liebe und der Erlösung) erst 537 n. Chr. auf Befehl des oströmischen Kaisers Justinian I. geschlossen wurde. Der Legende nach ist Philae der Platz, an dem Isis das Herz ihres Mannes Osiris fand, nachdem - gemäß dem Osirismythos - sein Bruder Seth ihn umgebracht, zerstückelt und die Teile im ganzen Land versteckt hatte. Bereits Anfang des 20. Jahrhunderts setzten erste Nildämme ihre Bauten für mehrere Monate im Jahr unter Wasser. Im Zusammenhang mit dem Bau des Assuan-Staudamm und der Rettungsaktion für Nubiens Denkmäler plante man schließlich den Umzug des Heiligtums. Die höher gelegene Nachbarinsel Agilkia wurde umgestaltet, die wichtigsten Bauten von Philae von 1977 bis 1980 in 37363 zwischen 2 und 25 t schwere Blöcke zersägt und originalgetreu wieder aufgebaut.

Zwei lange Säulengänge flankieren den Aufgang zum Haupttempel aus ptolemäischer Zeit. Der östliche Kolonnadengang blieb unvollendet, während der westliche mit seinen 31 (ursprünglich 32) Säulen gesäumt ist. Am ersten Pylon bringt der König vor Isis, ihrem falkenköpfigen Sohn Horus, ihrer Schwester Nephthys und der Göttin Hathor Opfer dar und wirft die Feinde des Landes nieder. Durch den 1. Pylon führen zwei Eingänge in den ersten Hof: Das Haupttor in der Mitte und ein im westlichen Torturm angebrachter Durchgang, der direkt auf das Mamisi (Geburtshaus) zuführt. Die Reliefs im Inneren schildern die Geburt des Horus und seine Kindheit in den Deltasümpfen. Die Säulen des östlichen Innenhofs tragen an den oberen Enden das Gesicht der Göttin Hathor (nur diese Göttin wurde von vorne abgebildet, die Gesichter aller anderen Götter sind immer von der Seite dargestellt). Hinter dem 2. Pylon öffnet sich ein ursprünglich durch Säulenschranken umgrenzter Hof. Zehn riesige, bemalte Säulen standen hier. Sie symbolisierten die ersten Pflanzen, Bäume und Blumen. Der rückwärtiger Bereich des Säulenraumes wurde um 553 dem Heiligen Stephan als Kirche geweiht und aus diesem Anlass eine große Zahl der Reliefs im Tempel zerstört. Das Sanktuarium zeigt, wie verschiedene Herrscher vor Isis und Osiris Opfergaben darbringen.

Vom Säulenhof aus führt eine Seitenpforte zum Hadrianstor, das den Blick auf das benachbarte Osirisheiligtum freigibt. An den Wänden künden Darstellungen des Jenseitsherrschers Osiris, aus dessen Mumie Getreidehalme sprießen, von der Hoffnung auf neues Leben nach dem Tod. Der kleine Tempel der Hathor, östlich des großen Tempels der Isis, wurde von Ptolemaios VI. begonnen und unter den römischen Herrschern Augustus und Tiberius vollendet. Die Reliefs der Tempelwände zeigen spielende Musikanten, die Götter unterhaltend, während Hathor zur Musik tanzt. Etwas weiter südlich steht der Trajanskiosk mit vierzehn Säulen einem Pronaos und einer Terrasse an der Rückseite des Tempels. Er zeigt 2 Reliefs, die Trajan als opfernden Pharao vor den Göttern darstellen. Hinter dem Kiosk findet sich ein Nilometer.

 Von Assuan nach Theben

 

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 Nilfahrt

Eine Reise auf dem Nil ist auch ohne Tempelruinen ein Erlebnis für sich. Lautlos gleitet das Leben der heutigen Ägypter in allen Farben und Formen am Besucher vorbei, interessant und beschaulich.
Will man seinen Seelenfrieden bewahren, dann frage man allerdings lieber nicht den Kapitän des tonnenschweren Schiffes bei seiner schwierigen Fahrt durch den tückischen Nil nach seiner Ausbildung und Qualifikation. (Man könnte z.B. die Antwort erhalten: Er sei einfach lange mitgefahren und habe zugeschaut...)

 

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 Esna (Chnum-Tempel der Ptolemäer und Römer)

Die koptische (!) Kleinstadt Esna liegt 54 km südlich von Luxor und ist berühmt für den unvollendeten spätägyptisch-römischen Tempel des Chnum, des widderköpfigen Gottes der Nilquellen, mitten im Stadtzentrum. Neben dem Hauptgott Chnum mit seinen Begleitern Menhit und Nebet-Uu wurden hier auch Satet und Neith verehrt. Mit dem Bau wurde in der Ptolemäerzeit begonnen, allerdings wurde nur der Pronaos und erst in der Römerzeit fertiggestellt. Die Decke wird von 24 mit Blumenkapitellen geschmückten Säulen getragen. Sie zeigt astronomische Darstellungen über den Seitenschiffen und über dem Mittelschiff zwei Reihen fliegender Geier. Die Wände sind innen und außen mit Reliefs verziert. Sie zeigen Darstellungen der Kaiser Commodus, Domitian, Titus und Trajan mit den ägyptischen Göttern.

In Luxor endet unsere Nilreise dort, wie sie begann. Als Anschlussprogramm empfiehlt sich eine kleiner Badeaufenthalt im per Bus erreichbaren Touristikzentrum Hurghada am Roten Meer.

 

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 Hurghada

Busfahrt von Luxor rund 200 km Richtung Osten ans Rote Meer nach Hurghada...

Hurghada bietet neben Schwimmen und Tauschen zahlreiche weitere Sport- und Ausflugmöglichkeiten.



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